Auswirkungen der Pandemie auf die Zivilgesellschaft

c. pixabay

Die Zivilgesellschaft hat seit Beginn der Covid-19-Pandemie geholfen, die Krise abzufedern und aufzufangen. Und sie tut es noch. Gleichzeitig sind Organisationen, Vereine, Verbände und Stiftungen selbst genauso von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Das Sammeln von Spendengeldern kann nicht mehr durch Begegnung stattfinden, direkte Bürgerbeteiligung fiel und fällt teilweise weg, Projektförderungen müssen zurückgegeben oder Projekte umstrukturiert werden. Dafür legen sich immer mehr Menschen Haustiere zu, was den illegalen Handel mit beispielsweise Hundewelpen ankurbelt. Dabei bleiben Umwelt- und Klimaschutz laut Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamtes trotz Pandemie ein sehr wichtiges Thema.

Maecenata-Studie

Aufbauend auf Ergebnissen einer ersten Studie vom Oktober 2020 gibt eine aktuelle Folgestudie des Maecenata-Instituts vom Frühjahr Eindrücke aus einer bereichsübergreifenden Organisationsbefragung und Experteninterviews wieder. Autor Malte Schrader schreibt: "Die Ergebnisse zeigen, dass jede zweite Organisation in starkem oder sehr starkem Maß von den Auswirkungen der Pandemie betroffen ist. Dies drückt sich vor allem durch einen veränderten Einsatz der Mitarbeitenden und Ausfällen oder Rückgängen in der Leistungserbringung aus. Allerdings lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Funktionsbereichen der Zivilgesellschaft beobachten. Sichtbar wird, dass Auswirkungen vielfältig und mehr als nur finanzieller Natur sind. Zu den wichtigsten Auswirkungen zählen: fehlende Planungssicherheit, limitierter Handlungsspielraum, erschwerter Kontakt zu bürgerschaftlich Engagierten und ein nachlassendes Gemeinschaftsgefühl, insbesondere im Funktionsbereich der Gemeinschaftsbildung."

Zivilgesellschaft digitalisiert sich

Die Organisationen reagierten mit einer Kürzung von Präsenzveranstaltungen, Angebote und Formate wurden - wenn möglich - digital bereitgestellt, die Arbeit ins Home-Office verlagert. "Jede zweite zivilgesellschaftliche Organisation musste auch Projekte abbrechen oder verschieben", schreibt Schrader, wobei es große Unterschiede je nach Funktion gibt. Dies verursache aber laut Studie auch Probleme, beispielsweise fehlendes Know-how und größere Kosten. Und besonders Verbände, die der Selbsthilfe und der Gemeinschaftsbildung dienen, könnten durch digitale Angebote oft ihre Zielgruppen nicht erreichen.

Finanzielle Auswirkungen – je nach Funktionsbereich unterschiedlich

Finanziell wirke sich die Pandemie insbesondere auf Einnahmen aus Zweckbetrieben und wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben aus, die stark rückläufig sind. Selbsterwirtschaftete Mittel hatten demnach im Vergleich zu 2019 Verluste von bis zu 45 Prozent zu verzeichnen. Hygienekonzepte seien kostspielig, die Hardware-Nachrüstung ebenso. Auch bei nicht staatlichen Zuwendungen und Spenden konnte teilweise ein Rückgang beobachtet werden, nur staatliche Förderungen seien bislang nahezu konstant geblieben.
"Perspektivisch wird eher von einer negativen Entwicklungstendenz in den kommenden Jahren ausgegangen, da damit gerechnet wird, dass finanzielle Auswirkungen der Pandemie, wenn sie nicht bereits jetzt sichtbar sind, mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren eintreten", fasst Schrader zusammen. Finanzielle staatliche Hilfen seien nur von einem Viertel der Befragten beantragt worden, denn jede dritte zivilgesellschaftliche Organisation erfülle nicht die Voraussetzungen für eine Antragsstellung. Andere hätten auf einen Antrag verzichtet, da die Hilfen zu unübersichtlich seien.

Die Maecenata-Studie bezieht auch andere Studien mit ein, unter anderem das GfK Charity Panel des Deutschen Spendenrates, wonach "Spenden für Kinder- und Jugendhilfe sowie Umwelt- und Naturschutz (...) nahezu konstant geblieben" sind. Insgesamt sei die Spendenbereitschaft auch innerhalb des Coronajahres 2020 stabil geblieben, teilweise sogar höher. Demnach habe der Tierschutz sogar höhere Einnahmen zu verzeichnen.

c. pixabay

Haustierboom, illegaler Tierhandel, fehlende Präsenz vom Imkern bis zur Bürgerbeteiligung

Im Pandemiejahr gab es auch einen regelrechten "Haustierboom", was zu überdurchschnittlich hohen Belastungen in Tierheimen geführt hat (Pressemitteilung Deutscher Tierschutzbund) und darüber hinaus zu einem dramatischen Anstieg bei illegal gehandelten Tieren (DTschB: Auswertung 2020, Prognose 2021).

Der Deutsche Imkerbund wies am Weltbienentag darauf hin, dass fehlende Präsenz bei den Schulungsangeboten für Imker*innen in spe Sorgen bereiten. Online-Angebote könnten die Praxis nicht gut genug vermitteln. Zudem seien Schulungen für Imkerverbände eine wichtige Einnahmequelle und auch der innerverbandliche Fachaustausch fehle. Den Bienen und vor allem den Wildbienen machten der Klimawandel, Nahrungs- und Habitatmangel, Flächenversiegelung, Lichtverschmutzung und der Verlust der floralen Artenvielfalt "im erheblichen Maß" zu schaffen.

Das Berlin Institut für Partizipation hatte im letzten Jahr eine Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bürgerbeteiligung durchgeführt. Eine Nachfolgestudie mit ergänzenden Fragen ist in Arbeit. So soll ermittelt werden, welche Veränderungen nach einem durch die Pandemie geprägten Jahr in der Bürgerbeteiligung tatsächlich stattgefunden haben – und welche davon möglicherweise dauerhaft sein könnten. Die Ergebnisse der ersten Studie zeigen dass digitale Beteiligungsformate nur theoretisch die Möglichkeit einer räumlichen beziehungsweise zeitlichen Entkopplung der Beteiligung bieten. Die überwiegende Mehrheit aller Umfrageteilnehmer*innen habe jedoch in der virtuellen Beteiligung keinen gleichwertigen Ersatz für Präsenzveranstaltungen gesehen.

Umweltbewusstseinsstudie: Trotz Corona sind Klima- und Umweltthemen Top-Themen

Laut Umweltbundesamt (UBA) halten 65 Prozent der Deutschen den Umwelt- und Klimaschutz für ein sehr wichtiges Thema – trotz der Covid-19-Pandemie. Besonders der Klimaschutz sei während der Pandemie für 70 Prozent weiterhin genauso wichtig geblieben, für 16 Prozent der Berfragten sei er sogar wichtiger geworden. Handlungsbedarf sähen die Befragten vor allem bei Energie, Landwirtschaft und Verkehr. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zum Umweltbewusstsein 2020 in Deutschland, die Ende April veröffentlicht wurde. Sehr hoch ist laut UBA die Zustimmung für den ökologischen Strukturwandel in Deutschland: Rund 90 Prozent der Befragten befürworteten einen zügigen und zugleich sozialverträglichen Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft. [jg]

Maecenata Stiftung Pressemitteilung: Zivilgesellschaft in und nach der Pandemie sowie zugehörige Studie Zivilgesellschaft in und nach der Pandemie: Bedarfe - Angebote - Potenziale (89 S., PDF)

UBA: Trotz Corona: Umwelt- und Klimaschutz bleibt für die Deutschen ein Top-Thema – Umweltbewusstsein in Deutschland: Große Mehrheit für einen sozial-ökologischen Wandel