Frauen vernetzen sich für stärkere Teilhabe in Klimaschutzfragen

"1. Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen müssen die Genderperspektive mitdenken und helfen, bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
2. Frauen müssen auf allen Ebenen an Entscheidungsprozessen gleichberechtigt teilhaben, ihre Kompetenz sollte ganz gezielt genutzt werden."

Svenja Schulze, Bundesumweltministerin

Mit rund 100 Teilnehmerinnen fand am 23. Februar auf Einladung von Bundesumweltministerin (BMU) Svenja Schulze die erste themen- und verbandsübergreifende Frauenvernetzungskonferenz statt. Sie entstand in einer Kooperation zwischen BMU und DNR. Unter dem Titel „Klimaexpertinnen – Vernetzt für ambitionierten Klimaschutz“ diskutierte die Ministerin coronabedingt digital mit Expertinnen von DNR, Germanwatch, VCD und GenderCC zunächst in einem öffentlichen Panel, moderiert von Shelly Kupferberg. Die Frauen forderten nicht nur eine Anhebung des EU-Klimaziels, sondern debattierten vor allem auch über die dafür notwendigen Instrumente unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Geschlechtergerechtigkeit.

"Je näher wir dem Ziel der Klimaneutralität kommen, desto stärker werden sich die Klimaschutzmaßnahmen auf Verteilungsgerechtigkeit auswirken und damit auch auf Geschlechterverhältnisse. (...) Die unbezahlte Versorgungsarbeit oder auch Care-Arbeit muss als Basis in die Konzepte einbezogen werden, das ist ein großer ökonomischer Faktor."

Ulrike Röhr, GenderCC – Women for Climate Justice e.V.

Anschließend konnten sich die Teilnehmerinnen in sieben Break-Out-Sessions zu einzelnen Aspekten des Klimaschutzes vertieft austauschen und vernetzen. Denn neben der inhaltlichen Expertise diente die Konferenz vor allem auch der Vernetzung der Teilnehmerinnen.

Denn mit rund 70 Prozent Frauenanteil unter den Beschäftigten ist die Arbeit der Umweltverbände maßgeblich vom haupt- und ehrenamtlichen Engagement weiblicher Akteurinnen geprägt. Sämtliche administrativen, konzeptionellen, fachlichen und koordinierenden Erfolge gehen auf die Qualifikationen weiblicher Mitarbeiterinnen zurück. Diese deutliche Mehrheit auf der Arbeitsebene findet sich jedoch nicht in Führungspositionen wieder: Nur 30 Prozent der Stellen werden dort von Frauen besetzt.

Schulze: "Oft bin ich die einzige Frau im Raum"

Bundesumweltministerin Svenja Schulze mahnte dieses Ungleichgewicht seit Beginn ihrer Amtszeit immer wieder an. Bei den regelmäßigen Treffen mit der Spitze der Umweltverbände sei sie meistens die einzige Frau. Bei der Kritik blieb es nicht, die Ministerin initiierte kurzerhand selbst regelmäßige Frauenvernetzungstreffen. Geladen wurden dazu zunächst weibliche Führungskräfte und Leiterinnen der Umweltverbände. Die Treffen eröffneten einen Raum, in dem die Expertinnen sich zu den aus ihrer Sicht relevanten umweltpolitischen Themen äußern, austauschen und direkt mit Schulze diskutieren konnten.

Denn die mangelnde Repräsentanz weiblicher Führungskräfte in Umweltverbänden bedeutet zum einen, dass Frauen als Expertinnen weniger wahrgenommen und tendenziell unsichtbar werden, wenn es um Stellungnahmen zu Windenergie, Klimaschutzzielen, Verkehrswende oder Abbau umweltschädlicher Subventionen geht. Zum anderen führt dies dazu, dass sie als Entscheiderinnen aus Politikbereichen ausgeschlossen sind, die sie aufgrund ihres Geschlechts vergleichsweise stärker betreffen als Männer, wie eine UBA-Studie feststellte. Die Folge ist ein Ungleichgewicht des politischen Gestaltungs- und Wirkungsgrads zwischen den Geschlechtern.

Gerade in Umweltverbänden, die sich in ihren vielfältigen Aktivitäten auf lokaler bis nationaler Ebene für das gemeinsame Ziel der sozial-ökologischen Transformation einsetzen, sollte die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen Voraussetzung und Leitplanke für eine nachhaltige und resiliente Entwicklung unserer Gesellschaft sein.

Die Frauenvernetzungskonferenz markierte somit den Auftakt und die Chance, ein starkes und unabhängiges Bündnis umweltpolitischer Expertinnen aufzubauen und wachsen zu lassen. Dieser Wunsch wurde in der Abschlussrunde noch einmal von den Mitwirkenden bekräftigt. So wollen die Teilnehmerinnen sich zukünftig regelmäßig zu umweltpolitischen Themen austauschen, sich gegenseitig coachen, Nachwuchsexpertinnen fördern und sich perspektivisch mit weiteren Akteurinnen außerhalb der Umweltverbände vernetzen. Interessentinnen sind willkommen! Sie können sich gern bei Anna Geuchen vom DNR melden. [ag]

 

Text/Rede Svenja Schulze (BMU)

Berichterstattung: