Nach der Hochwasserkatastrophe - Stimmen von Umweltorganisationen

Foto: Nationalpark Berchtesgaden

Bilder der Zerstörung prägen nach wie vor die Regionen im Westen und Süden Deutschlands, die von der Unwetterkatastrophe Mitte Juli getroffen wurden. Menschen sind ums Leben gekommen oder haben ihr Zuhause, ihre Existenzgrundlage verloren. Die Auswirkungen sind erschütternd, gleichzeitig ist die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ein Zeichen der Hoffnung für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Die Unwetter haben auch Spuren in der Landschaft hinterlassen. Erosionen, Unterspülungen, kaputte Wege, Brücken, Schienen, Straßen, um nur einige Folgeschäden zu nennen. Während die Aufräum- und Bergungsarbeiten nach dem Hochwasser weitergehen, melden sich Umweltorganisationen zu Wort, die teils in ihrer direkten Arbeit vor Ort betroffen sind.

Vorschläge, wie in Zukunft die Folgen solcher Wetterextreme abgemildert werden können

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat 16 Bausteine für eine wirksame politische Agenda veröffentlicht, mit der Extremwetterereignisse in Zukunft vermieden oder zumindest abgemildert werden können. In dem Hintergrundpapier „Dürre und Hochwässer – Zwei Gesichter der Klimakrise. 16 Punkte für eine wirksame politische Antwort“ moniert der BUND auch, dass die meisten Punkte für mehr Klimaschutz und wirksamen Hochwasserschutz längst bekannt seien, aber politisch nicht umgesetzt würden.
Der BUND Rheinland-Pfalz befürchtet, dass aufgrund der sich rasant verschärfenden Klimakrise künftig ganze Ortschaften in den Tälern der Mittelgebirgsregionen großflächig überflutet werden. Deshalb schlägt der BUND vor, dass für Ortschaften in Tallagen vorsorglich Risikomanagement- und Evakuierungspläne sowie Rettungsszenarien für den Hochwasser-Katastrophenfall erstellt und regelmäßig erprobt werden.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zeigt in einem 10-Punkte-Programm auf, was wirklich hilft beim Wiederaufbau: Sofortmaßnahmen für ökologischen Hochwasserschutz und eine naturbasierte Anpassung an die Klimakrise. Geschieht dies nicht, und zwar bald, wird Deutschland nicht nur vermehrt von Starkregen, Hochwasser, Hitze und Dürre heimgesucht. Es wäre solchen Extremereignissen dann auch nichts mehr entgegenzusetzen, warnt die DUH.

Um Wetterextreme künftig zu vermeiden, brauche es aber in Gesellschaft und Politik ein entsprechendes Handlungsbewusstsein, heißt es beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Bereits seit Jahren fordert der NABU angesichts der Folgen starker Unwetter in vielen Regionen Deutschlands ein Umdenken in der Landwirtschaft und eine Neuausrichtung der Gewässerpolitik.

Die NaturFreunde Deutschlands sprechen den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe ihr Mitgefühl aus. Derartige Wetterextreme seien zwar nicht im Hinblick auf den konkreten Zeitpunkt, aber in ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit absehbar gewesen. Allerdings hätten die Verantwortlichen dies verdrängt und ignoriert.

Das Umweltinstitut betont, dass jetzt ein radikaler Wandel im Energie-, Verkehrs- und Gebäudesektor notwendig ist. Nur dann könne das schlimmste Klimachaos abgewendet werden. Die Bürgerinnen und Bürger hätten im September die Wahl, darüber abzustimmen, welche Parteien die besten Lösungsvorschläge hat.

In den vom Hochwasser verwüsteten Gebieten müssen auch Schienen und Straßen wiederaufgebaut werden. Angesichts des Klimawandels ist Verkehrsinfrastruktur  jedoch künftig resilient und nachhaltig zu gestalten. Dafür fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ein Bundesmobilitätsgesetz. Übergeordnete Ziele wie Klimaschutz, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie Effizienz und Flächensparsamkeit würden damit endlich rechtlich verankert.

Warnungen und Aufrufe zu Hilfe und Spenden

Der Deutsche Alpenverein (DAV) und der Deutsche Wanderverband (DWV) warnen vor dem Betreten von Wanderwegen, etwa im Nationalpark Berchtesgaden. Die Nationalparkverwaltung mahnt zu besonderer Vorsicht aufgrund der unwetterbedingten Wegebeschaffenheit. Der Deutsche Wanderverband verweist auf einen offenen Brief des Eifelvereins, in dem dieser sich an Mitbürgerinnen und Mitbürger der Eifel sowie Wanderer und Menschen wendet, die helfen möchten. In der Eifel sind auch die Hauptwanderwege des Eifelvereins (z.B. Krönungsweg nahe der Steinbachtalsperre), Themenwanderwege wie der Römerkanal-Wanderweg (Kreis Euskirchen) und zahlreiche örtliche Wanderwege betroffen.

Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) hat eine Hilfeaktion für die vom Hochwasser geschädigten Kanu-Vereine initiiert und ruft die Kanu-Vereine, seine Mitglieder und weitere Unterstützerinnen und Unterstützer auf, sich an der Spendenaktion „Hochwasser2021“ zu beteiligen. Der Verband will zudem bis zu 10.000 Euro aus eigenen Mitteln bereit stellen.

Das Hochwasser vom Juli hat auch Tierschutzvereine, Tierheime und Tierhalter in den betroffenen Regionen schwer getroffen. Mindestens ein Tierheim musste evakuiert werden. Tierheime, die glimpflicher davonkamen, starteten kurzfristig Hilfsaktionen und bieten anderen Tierheimen sowie evakuierten Tierhaltern an, ihre Tiere vorübergehend aufzunehmen. Der Deutsche Tierschutzbund hat einige Hilfsangebote zusammengestellt. Der Verein Menschen für Tierrechte hat einen Notfallfonds in Höhe von 10.000 Euro für die Rettung von Tieren aller Art eingerichtet. Das Geld geht an betroffene Tierschutzvereine.

Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat einen Twitter-Thread mit Tipps zum praktischen Helfen gestaltet. Vor Ort gebe es beispielsweise kaum noch Platz in Lagerhallen, weshalb von Sachspenden abzusehen sei.

[Redakteurinnen: Marion Busch und Juliane Grüning]