Landwirtschaft & Gentechnik

Unsere Landnutzung zerstört die Erde – was die EU tun muss

08.08.2019

Der heute vorgestellte Bericht zu Klimawandel und Landsystemen des International Panel on Climate Change (IPCC) verdeutlicht, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten noch weit von einer klimaschonenden Politik entfernt sind.

Die derzeitige Landnutzung des Menschen verstärkt den Klimawandel und bedroht die Artenvielfalt. Zu dem Schluss kommen die Wissenschaftler*innen des IPCC und warnen davor, Land- und Forstwirtschaft im gleichen Stil wie bisher fortzuführen. Um die Klimakrise noch aufhalten zu können, müssten Staaten schnellstmöglich ihren Kurs ändern, so der Bericht. Nur eine nachhaltige Landnutzung könne dem Klimawandel entgegenwirken und den Verlust der Biodiversität stoppen. Dazu gehörten neben einer Dekarbonisierung der Wirtschaft auch eine Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur stehe. Außerdem müssten Regierungen gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen und Entwaldung stoppen. Die industrielle Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie seien ein fast ebenso großer Treiber des Klimawandels wie fossile Brennstoffe.

Der Bericht verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der Politiker*innen handeln und schnelle und umfangreiche Maßnahmen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft umsetzen müssen, die Umweltverbände bereits seit Jahren fordern. Stimmen aus deutschen und europäischen Verbänden in Reaktion auf den IPCC-Bericht:

Kai Niebert, Präsident des DNR:
„Die designierte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat ein ambitioniertes Klimaprogramm versprochen. … Was es braucht ist keine Reform, sondern eine Revolution der Gemeinsamen Agrarpolitik.  Bäuerinnen und Bauern müssen beim Erhalt von Boden, Artenvielfalt und der Herstellung hochwertiger Lebensmittel unterstützt werden. Nur so können Landwirte zu Klimarettern werden.“ 

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer:
„Es ist geradezu pervers, dass die EU mit tatkräftiger Unterstützung von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner nun 58 Milliarden Euro pro Jahr an Subventionen gerade in klima- und naturschädliche industrielle Agrarbetriebe fließen lassen will. Es darf künftig kein Cent an Steuergeldern mehr in ein derart schädliches Agrarsystem fließen. Ministerin Klöckner muss den Alarmruf des Weltklimarats ernst nehmen und sich ab sofort dafür einsetzen, dass alle Zahlungen an Agrarbetriebe an klima- und naturschonende Leistungen gekoppelt werden.“

Christian Rehmer, Leiter Agrarpolitik beim BUND:
„Der aktuelle Bericht sagt klar, dass es in der Landwirtschaft so nicht weitergehen kann. Zum Schutze unseres Klimas muss die Politik endlich die überfällige Agrarwende vollziehen sowie Wälder weltweit vor Abholzung schützen und nachhaltig nutzen. Statt weiter die energie- und rohstoffintensiven industriellen Modelle der Agrarindustrie am Leben zu erhalten, sind die Staaten aufgerufen, lokale, angepasste Lösungen zu finden.“

Peer Cyriacks, Stellvertretender Bereichsleiter Naturschutz der Deutschen Umwelthilfe:
„Europa und vor allem die Bundesregierung müssen in Sachen Landwirtschaft eine 180 Grad-Wende einleiten. Wir brauchen wirksame Mechanismen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Allein in Deutschland würde deren Anbau eine Fläche von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns beanspruchen. 230.000 Rinder landen hierzulande jedes Jahr als Lebensmittelabfall im Müll. Ohne eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft ist die Klimakrise nicht in den Griff zu bekommen.“

Germanwatch:
„Nach Ansicht von Germanwatch muss die Bundesregierung dafür sorgen, dass Preise die ökologische Wahrheit sagen. So müssten zum Beispiel die Kosten für die hohe Nitratbelastung des Wassers durch Überdüngung und die Zerstörung des Regenwalds für den Anbau von Futtermitteln von denjenigen bezahlt werden, die Fleisch in industrieller Massentierhaltung herstellen - und nicht von der Allgemeinheit.“

Wendel Trio, Direktor des Climate Action Network (CAN) Europe:
„Um den Zusammenbruch des Klimas zu stoppen, brauchen wir einen schnellen und tiefgreifenden Wandel im Landsektor der EU, ebenso wie in allen anderen Wirtschaftssektoren. Die EU muss die Emissionsreduzierung in der Landwirtschaft rasch erhöhen und in den Naturschutz investieren. Um sofortige Maßnahmen in diesem Bereich im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel zu ermöglichen, muss die EU ihr Klimaziel für 2030 auf mindestens 65 % der Emissionen anheben. Die perfekte Gelegenheit dazu ist der UN-Klimagipfel im September.“

Für Bundesumweltministerin Svenja Schulze sei es nun wichtig, „in Europa die richtigen Anreize für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft zu setzen.“ [km]

Zusammenfassung des IPCC-Berichts auf Deutsch
Climate Change and Land – Summary for Policy Makers

Statement DNR
PM BUND
PM NABU
PM DUH
PM Germanwatch
PM CAN Europe
PM BMU