Emissionen

Die gefährliche Wechselwirkung zwischen Armut und Umweltverschmutzung

10.09.2020

Viele Hunderttausende Todesfälle sind jedes Jahr in Europa auf Umweltverschmutzung und die Klimakrise zurückzuführen. Besonders betroffen sind ärmere und vorerkrankte Personen. Zu dem Schluss kommt die Europäische Umweltagentur (EEA) in einer neuen Studie.

Wie groß die Belastung durch Verschmutzung und Klimakrise für die eigene Gesundheit ist, hängt unter anderem davon ab, in welchem Land Sie in Europa leben: In Bosnien und Herzegowina liegt der Anteil an nationalen Todesfällen durch Umweltbelastung europaweit mit 27 Prozent am höchsten, in Norwegen und Island mit 9 Prozent am niedrigsten. Im europäischen Durchschnitt ergibt sich eine Quote von 13 Prozent – eine niedrige Umweltqualität trägt also zu fast jedem achten Todesfall in Europa bei. Einkommensschwache Gemeinschaften sind besonders gefährdet und einer „Dreifachbelastung aus Armut, niedriger Umweltqualität und Krankheit“ ausgesetzt, stellt die EEA fest.

Die größte, mit Umweltverschmutzung in Verbindung stehende Gefahr für die Gesundheit der Europäer*innen ist demnach die Luftverschmutzung, die jährlich dazu führt, dass 400.000 Menschen frühzeitig sterben. Aber auch Belastung durch Hitzewellen, Lärm, schmutziges Wasser und Chemikalien sind große Risikofaktoren. Besonders gefährlich werde es, wenn Menschen gleichzeitig mehreren Risiken ausgesetzt sind, die sich gegenseitig verstärken.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie berichtet die EEA von ersten Anzeichen dafür, dass Luftverschmutzung und Armut zu höheren Covid-19-Sterberaten führen könnten und verweist auf weiteren Untersuchungsbedarf.

Entsprechend notwendig sei es, Umwelt- und Gesundheitspolitik zu verbinden, schlussfolgert die EEA: „Eine gesunde Natur ist ein Schlüsselmechanismus für die Erhaltung öffentlicher Gesundheit, die Eindämmung von Krankheiten und die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden.“ Als konkrete Maßnahme schlägt die Agentur vor, Grün- und Wasserflächen in europäischen Städten auszubauen.

Für den EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius ist klar, dass „wir durch den Schutz unseres Planeten nicht nur Ökosysteme retten, sondern auch Leben, insbesondere jene der am stärksten Gefährdeten.“ Die im Rahmen des Green Deal vorgeschlagenen Initiativen, zum Beispiel in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft und den Schutz der Biodiversität seien Grundlage dafür, ein „widerstandsfähigeres und gesünderes Europa“ aufzubauen.

In ihrer in dieser Woche veröffentlichten „strategischen Vorausschau“ erklärt die EU-Kommission, wie sie Herausforderungen zukünftig begegnen will und die EU krisenfester und widerstandfähiger werden könne. Darin spielt neben vielen anderen Punkten auch die ökologische Resilienz eine Rolle, die durch Klimaneutralität bis 2050 und die Verringerung der Umweltverschmutzung ausgebaut werden soll. [km]

Pressemitteilung der EU-Kommission

Studie der EEA

Pressemitteilung der EU-Kommission zur "Strategischen Vorausschau"

Wo ist es wie dreckig?

In einer neuen Datenbank veranschaulicht das Europäische Umweltbüro, wie viele und welche Schadstoffe Industrieanlagen in Europa ausstoßen. Was dabei deutlich wird: Für viele Anlagen werden Daten entgegen der EU-Vorschriften nicht öffentlich gemacht. Am intransparentesten? Deutschland.