Emissionen

Dreckige Luft noch gefährlicher als angenommen

19.03.2020

Schlechte Luftqualität in Städten kann die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs bei einer Corona-Infektion erhöhen, warnen Gesundheitsverbände. Die Europäische Umweltagentur stellt derweil Vorschläge für Messprojekte vor, an denen sich Bürger*innen beteiligen können.

Luftqualität und Virus-Pandemie

Wie das NGO-Bündnis European Public Health Alliance (EPHA) in dieser Woche erklärte, seien es besonders durch Luftverschmutzung verursachte Erkrankungen, die mit einer höheren Sterblichkeitsrate bei Corona-Patienten in Verbindung gebracht werden, vor allem Atemwegserkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Es sei deshalb umso wichtiger, die Luftverschmutzung in Städten zu senken, um „den am meisten gefährdeten Menschen in ihrem Kampf gegen diese und mögliche zukünftige Pandemien“ zu helfen, erklärte Sara De Matteis, Professorin für Arbeits- und Umweltmedizin und Mitglied der EPHA.

Auch wenn der Rückgang wirtschaftlicher Aktivitäten derzeit in besonders betroffenen Regionen wie Norditalien zu einer besseren Luftqualität führe, sei der „Schaden für die menschliche Gesundheit und die Fähigkeit der Menschen, Infektionen zu bekämpfen, […] bereits angerichtet“, so EPHA-Generalsekretär Sascha Marschang. Er rief die Regierungen dazu auf, endlich wirksame Maßnahmen besonders im Verkehrsbereich umzusetzen, um Menschen nicht weiter zu gefährden.

Citizen Science-Projekte: Wie alle mithelfen können

Einzelne Initiativen und Organisationen können zudem ihren Teil dazu beitragen, die Datenqualität im Bereich Luft zu verbessern. Die Europäische Umweltagentur (EEA) schlägt in ihrem neuen Bericht verschiedene günstige Geräte vor, mit denen Bürger*innen die Luftqualität in ihrem Wohnort messen können. Die Behörde verspricht sich von den Initiativen „nützliche Informationen über die lokale Luftqualität“, die in die Überarbeitung von Luftqualitätsmodellen und die Erstellung geeigneter Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität einfließen könnten. Zudem könnte die Mitarbeit von Bürger*innen in diesem Rahmen das öffentliche Bewusstsein für Luftverschmutzung schärfen. In absehbarer Zukunft erhofft sich die EEA durch die Verbindung bürgernaher Initiativen mit neuen Ansätzen der Datenverarbeitung einen „Paradigmenwechsel“ bei der Messung der Luftqualität.

Die EEA und auch Umwelt- und Gesundheitsverbände warnen seit Langem vor den Schäden für Menschen und Umwelt, die schlechte Luft verursacht. Vergangenes Jahr hatte die EEA festgestellt, dass insbesondere arme Menschen, Senior*innen und Kinder gesundheitlich unter der schlechten Luft in der EU leiden (siehe EU-Umweltnews vom 07.02.2019). Sie schätzt, dass jährlich etwa 400.000 Menschen in der EU frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Wirksame Maßnahmen für Verkehr, Landwirtschaft oder Industrie lassen jedoch seit Jahren auf sich warten. Viele Regierungen der EU verstoßen laufend gegen die Luftqualitätsrichtlinie der EU. Die EU-Kommission führt im Bereich Luftpolitik derzeit 71 Vertragsverletzungsverfahren gegen die Mitgliedstaaten. [km]

Pressemitteilung der EPHA

Meldung der Europäischen Umweltagentur

Bericht „Assessing air quality through citizen science“

Überblick über laufende EU-Vertragsverletzungsverfahren