Emissionen

Noch weit entfernt von WHO-Empfehlungen: Luft in der EU weiterhin gefährlich für die Gesundheit

24.11.2020

Immer noch sterben jährlich über 400.000 Menschen in Europa vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. In einigen Sektoren sind die Emissionen in den zurückliegenden Jahren zwar zurückgegangen, in ihrem Jahresbericht 2018 sieht die Europäische Umweltagentur (EEA) jedoch kaum Fortschritte im Gebäudesektor und in der Landwirtschaft.

Der Großteil der vorzeitigen Todesfälle ist auf die Verschmutzung der Luft durch Feinstaubpartikel  zurückzuführen. Sind Menschen diesen Partikeln über eine längere Zeit ausgesetzt, entwickeln sich Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. In Bulgarien, Kroatien, Polen, Italien, Rumänien und Tschechien wurde 2018 der EU-Grenzwert überschritten. Dabei liegt er für kleine Feinstaubpartikel (PM 2.5) mit 25 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) immer noch über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Maximalwert von 10 µg/m³. Nur Estland, Finnland, Irland und Island konnten diesen Wert 2018 einhalten.

Die Daten des Jahresberichts beruhen auf der Auswertung von über 4.000 Messstellen in 41 europäischen Ländern.

Die EEA verweist darauf, dass insbesondere die Verschmutzung durch Stickstoffdioxid in den letzten Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist und führt dies auf die Wirksamkeit politischer Maßnahmen gegen Luftverschmutzung auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene zurück. So habe es seit 2000 „Emissionssenkungen in Schlüsselsektoren“ wie dem Verkehrs- oder Energiesektor gegeben. In den Bereichen Landwirtschaft, Abfall und Gebäude sei dagegen noch viel zu tun. Neben Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft sieht EEA-Direktor Hans Bruyninckx außerdem insbesondere die Belastung durch Ozon sowie Verkehr in Städten und Kohleheizungen als weiterhin große Probleme für die Luftqualität in Europa.

Für weitere politische Maßnahmen verweist EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius auf den im Green Deal angekündigten Aktionsplan gegen Verschmutzung, mit dem „alle Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden auf Null reduziert“ werden sollen. Im Rahmen des Aktionsplans soll demnach auch die Anpassung der EU-Grenzwerte an die Empfehlungen der WHO erfolgen. Noch bis Februar sammelt die EU-Kommission Input zum Aktionsplan. Hier können Sie sich beteiligen.

Der Jahresbericht geht auch auf die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen, die es Anfang des Jahres in einigen Ländern gab, auf die Luftqualität ein. Die EEA kommt, wie bereits in anderen Auswertungen (siehe EU-News vom 12.11.2020), zu dem Schluss, dass eine Reihe von Luftschadstoffen im Frühjahr um bis zu 60 Prozent zurückgegangen sind. Einen Zusammenhang zwischen der Schwere einer Covid-19-Erkrankung und schlechter Luft vermutet sie, will ihn aber noch weiter erforschen.

Angesichts der Zahlen der EEA ist es für Margherita Tolotto vom Europäischen Umweltbüro unverständlich, warum Regierungen nicht ausreichend gegen die Luftverschmutzung vorgehen: „Ihr Zögern kostet uns unsere Gesundheit und eine sichere Umwelt.“ Dabei sei klar, was getan werden müsse: „Saubere Energie und Industrieproduktion, umweltfreundlicherer und intelligenterer Verkehr“ sowie der Übergang zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. [km]

EEA Bericht: Luftqualität in Europa 2020

Pressemitteilung der EEA

Pressemitteilung der EU-Kommission

   
Pressemitteilung des Europäischen Umweltbüros