Verkehr

Treibhausgase von Plug-in-Hybriden, in Kraftstoffen und von Flugzeugen

25.11.2020

c. Pixabay

Autos mit Plug-In-Hybridantrieb stoßen wohl mehr CO2 aus, als Autohersteller behaupten. Die EU-Länder verfehlen wohl das 2020-Ziel für Kraftstoffqualität. Emissionen von Flugzeugen sind wohl klimaschädlicher als bislang angenommen. Da wird’s einem eher unwohl zumute.

Umweltorganisation warnt vor Plug-In-Hybriden

Plug-In-Hybride (PHEV – plug in hybrid electric vehicle), also Fahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor, deren Batterie sowohl über die Steckdose als auch im Fahrbetrieb aufgeladen werden kann, scheinen für das Klima deutlich schädlicher zu sein, als die Emissionsdaten der Automobilhersteller nahelegen. Zu diesem Ergebnis gelangt die europäische Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) und stützt sich auf Testergebnisse der 2020 beliebtesten Modelle BMW X5, der Volvo XC60 und der Mitsubishi Outlander. Diese Fahrzeuge emittierten zwischen 28 bis 89 Prozent mehr CO2 im Vergleich zu den offiziellen Angaben der Autohersteller, als sie mit einer vollgeladenen Batterie unter optimalen Bedingungen getestet wurden. Bei einer leeren Batterie emittierten sie drei bis acht Mal mehr als offiziell angegeben. Im Lademodus während des Fahrens lag der CO2-Ausstoß dieser PHEVs sogar um das Drei- bis Zwölffache über dem offiziellen Wert. T&E plädiert dafür, staatliche Umweltboni und Steuervorteile für Plug-In-Hybride in der EU abzuschaffen.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) greift die Ergebnisse auf und appelliert an den Deutschen Bundestag, die beim sogenannten Autogipfel im November beschlossene Fortsetzung der staatlichen Förderung dieser Fahrzeuge im parlamentarischen Verfahren zu stoppen.

T&E: Potenziell neuer Emissionsskandal: Plug-In-Hybride nachweislich umweltschädlicher als behauptet 

DUH: Neue europäische Studie bestätigt CO2-Messungen der Deutschen Umwelthilfe: Plug-In-Hybride torpedieren Klimaschutz durch hohe Realemissionen 

Biokraftstoffe: EU-Länder nicht auf Kurs

Die EU und ihre Mitgliedsländer liegen hinter dem Ziel zurück, die Intensität an Treibhausgasen von Kraftstoffen, die für Fahrzeuge im Straßenverkehr verkauft werden, um 6 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2010 zu senken, wie es in den Klima- und Energiezielen der EU für 2020 festgelegt ist. Das geht aus dem diesjährigen Fortschrittsbericht der EU-Kommission zur Kraftstoffqualitätsrichtlinie hervor. So sank die durchschnittliche Treibhausgasintensität der Kraftstoffe in den EU-28 zwischen 2010 und 2018 um 3,7 Prozent.

In den Jahren 2017 und 2018 habe die Intensität der Kraftstoffe sogar zugenommen, wenn man die Auswirkungen der indirekten Landnutzungsänderung aufgrund der verstärkten Nutzung von Ölpflanzen wie Soja und Ölpalme als Rohstoff berücksichtige, heißt es im ergänzenden technischen Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA). Die Fortschritte waren in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich, aber fast alle Mitgliedstaaten müssen rasch Maßnahmen ergreifen, um das 2020-Ziel zu erreichen.

EU-Commission DG Climate: Further action required to meet 2020 fuel quality targets despite 3.7% drop in greenhouse gas intensity since 2010 

EEA: Still insufficient progress in making transport fuels more climate friendly, latest EEA data show 

Effekte von Treibhausgasen in der Luft unzureichend erforscht

Wie das Online-Nachrichtenportal Euractiv am Mittwoch berichtete, erweitert die EU-Kommission offenbar ihren Fokus von Kohlendioxid auf andere potente Treibhausgase im Flugverkehr wie Stickoxide (NOx) und Ruß. Die Europäische Behörde für Flugsicherheit (European Aviation Safety Agency, EASA) veröffentlichte am Dienstag eine Studie, welcher zufolge neue Techniken der Klimamodellierung darauf hindeuteten, dass „die Emissionen des Luftverkehrs das Klima derzeit etwa dreimal so stark erwärmen wie die CO2-Emissionen des Luftverkehrs allein“. Die EASA schränkt allerdings ein, dass es mehr Forschung darüber brauche, wie alle Emissionen in der Atmosphäre zusammenwirken.

Dennoch gibt die EASA Handlungsempfehlungen aus. So könnten „Nicht-CO2-Emissionen“ verringert werden, indem der Anteil an nachhaltigen Flugkraftstoffen (sustainable aviation fuels, SAFs) deutlich erhöht werde. Zudem könnten andere Treibhausgase ebenso bepreist werden, wie es bereits für CO2 geschieht. Denn der innereuropäische Luftverkehr sei in das europäische Emissionshandelssystem eingebunden, wenngleich mit überwiegend kostenlosen Zertifikaten.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf der Kommission Untätigkeit vor. Maßnahmen zur Reduzierung von „Nicht-CO2-Emissionen“ und des Flugverkehrs seien dringend geboten. Zudem müsse die Kommission die milliardenschweren Staatshilfen für europäische Airlines im Zuge der Coronakrise sowie Kurzstreckenflüge verbieten.

Anfang 2021 will die EU-Kommission ihre sogenannte „ReFuelEU“-Initiative als Teil des Europäischen Green Deal veröffentlichen, die darauf abzielt, den SAF-Anteil in Flugtreibstoffen zu steigern.

Euractiv: Climate-busting plane pollution revealed by new EU study 

Commission Staff Working Document: Updated analysis of the non-CO2 climate impacts of aviation and potential policy measures pursuant to EU Emissions Trading System Directive Article 30(4) 

Greenpeace EU: The European Commission must stop flying into climate crisis    

Textschmiedin: Ann Wehmeyer