Wasser & Meere

Flussschützer*innen aus aller Welt schauen auf Bosnien-Herzegowina

23.09.2020

c. pixabay

Nichts weniger als ein Moratorium für den Bau von Kleinkraftwerken fordern Gewässerschutzorganisationen von der Regierung Bosnien und Herzegowinas. Diese hatte zwar im Juni eine entsprechende Resolution verabschiedet, diese besitzt aber noch keine Rechtskraft.

Der Bau von Kraftwerken gefährde Tausende von intakten Flusskilometern, ökologisch bedeutsame Lebensräume sowie seltene und endemische Tierarten, kritisieren Expert*innen der Weltnaturschutzunion IUCN sowie EuroNatur, Riverwatch und andere Gewässerschutzorganisationen.

„Dies ist die Gelegenheit für Bosnien und Herzegowina, mit gutem Beispiel voranzugehen und Europas Vorreiter beim Schutz einiger der artenreichsten Flüsse des Kontinents zu werden", sagte Barney Long, zuständig für Artenschutz bei Global Wildlife Conservation. Die Flüsse zwischen Slowenien und Griechenland, einschließlich der Flüsse in Bosnien und Herzegowina, gelten als der wichtigste Hotspot für die bedrohte Süßwasser-Biodiversität in Europa. 69 Fischarten in diesen Flüssen leben nirgendwo sonst auf der Welt.

„Jedes Mal, wenn ich die Flüsse des Balkans besuche, bin ich von ihrer Schönheit überwältigt", sagte Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch und einer der Koordinatoren der gemeinsam von EuroNatur und Riverwatch koordinierten Kampagne "Rettet das Blaue Herz Europas". Annette Spangenberg, Projektkoordinatorin bei EuroNatur ergänzt: „Die Balkanflüsse sind ein europäischer Schatz, den wir nicht verlieren dürfen. Wir unterstützen die lokalen Gemeinschaften in ihrem Kampf um ihre Flüsse und werden dafür sorgen, dass ihre Stimmen in ganz Europa gehört werden".

Die internationale Gruppe der Naturschutzorganisationen hat auch die Regierung der Teilrepublik Srpska aufgefordert, ein Moratorium zum Bau von Wasserkraftwerken zu verabschieden. Hier wurde Anfang des Jahres eine ähnliche Resolution wie die von Bosnien-Herzegowina vorgeschlagen; die Nationalversammlung habe aber trotz Protesten der örtlichen Gemeinden dagegen gestimmt.

An den Balkan-Flüssen sind rund 3.000 Dämme geplant, in Bosnien und Herzegowina wurden 436 kleine Wasserkraftwerke entweder vor kurzem gebaut, befinden sich im Bau oder sind in Planung.

Schon Ende Juni protestierte der WWF angesichts einer neuen Studie gegen das alarmierende Ausmaß der Flussfragmentierung mit über einer Million Barrieren in Europas Flüssen und Bächen (EU-News 30.06.2020). Mitte Juli zeigte eine weitere Untersuchung, dass Wasserkraft auch im Mittelmeerraum die Artenvielfalt der Süßwasserfischarten erheblich bedroht (EU-News 10.07.2020). Während die einen neue Bauten planen, enthält der Vorschlag für die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 von der EU-Kommission das Ziel, 25.000 Flusskilometer zu renaturieren (EU-News 20.05.2020). Über 60 Prozent der EU-Gewässer sind in keinem guten Zustand.

Bosnien und Herzegowina hatte am 15. Februar 2016 einen Antrag auf Beitritt zur EU gestellt. Im Mai 2019 hatte die EU-Kommission ihren Analysebericht über das Land vorgelegt. Um tatsächlich der Europäischen Union beitreten zu können, müssen alle Rechte und Pflichten, die für die Mitgliedstaaten der EU verbindlich sind (sogenannter Acquis communautaire), in nationales Recht übernommen werden - dazu gehört auch die EU-Umweltgesetzgebung. [jg]

IUCN-Pressemitteilung: Freshwater Conservationists Worldwide Implore Federation of Bosnia and Herzegovina to Permanently Protect Europe’s Last Wild Rivers

Pressemitteilung Euronatur: Frist abgelaufen: Jetzt Flüsse konsequent schützen