Wasser & Meere

Ostsee in der Krise - Stopp für Hering- und Dorschfang?

29.05.2020

c. pixabay

Der Internationale Rat für Meeresforschung ICES (International Council for the Exploration of the Sea) hat seine jährlichen wissenschaftlichen Gutachten für die EU-Fischereiquoten für 2021 veröffentlicht. Darin bescheinigt er der Ostsee, dass wichtige Fischbestände in einer Krise stecken und das gesamte Ostsee-Ökosystem in einem sehr schlechten Gesundheitszustand ist. Umweltverbände fordern ein Fangverbot für Hering in den westlichen Ostseegebieten und für Dorsch in den östlichen Fangzonen.

Die Meeresschutzorganisationen Coalition Clean Baltic, Oceana, Our Fish, Seas At Risk und der WWF fordern die Europäische Kommission und die Fischereiminister*innen der EU-Mitgliedstaaten auf, die ICES-Gutachten zu respektieren und die Anforderungen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) bei der Festlegung aller Fanggrenzen in der Ostsee für 2021 einzuhalten. Bisher werden aus kommerziellen Gründen die Empfehlungen weitgehend ignoriert mit verheerendem Ergebnis: völlig überfischte Bestände und zerstörte Ökosysteme. Im Oktober entscheiden die EU-Fischereiminister*innen über die zulässigen Fangmengen für 2021. Die Entscheidung fällt also während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert eine Beachtung der Ergebnisse und eine verantwortliche Vorbildfunktion der Bundesregierung. Deutschland stehe auf Platz eins der Überfischungs-Sünder in der Ostsee. Die Hälfte der kommerziell genutzten Fischbestände werde in der Ostsee noch immer überfischt. „Die Ostsee befindet sich in einem bedenklichen ökologischen Zustand. Jahrzehntelange Überfischung und Verschmutzung haben zum Verlust der Lebensräume wichtiger Speisefischarten wie Hering und Dorsch geführt. Die Auswirkungen des Klimawandels kommen erschwerend hinzu,“ sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die Bundesfischereiministerin Julia Klöckner und ihre europäischen Kolleg*innen müssten endlich auf die Empfehlungen der Wissenschaft hören und den geschwächten Fischpopulationen eine Chance zur Erholung geben. Die DUH fordert nachhaltige Fangquoten, inklusive einer Nullquote für die besonders bedrohten Bestände des Westlichen Herings und Östlichen Dorschs. Außerdem müssten bessere Kontrollen für die Einhaltung der Quoten und die Überwachung der sogenannten Anlandeverpflichtung auf See und in den europäischen Häfen eingeführt werden.

Der ICES hatte kürzlich bereits Sofortmaßnahmen zum Schutz von Delfinen im Golf von Biskaya und von Schweinswalen in der Ostsee gefordet (EU-News 27.05.2020). [jg]

Pressemitteilung Oceana et al.

Pressemitteilung DUH/Our Fish

Zu den ICES-Empfehlungen:
Westlicher Hering
Östlicher Dorsch
Westlicher Dorsch

Weitere EU-Umweltnews

Wasserkraft bedroht Fischvielfalt

10.07.2020

Eine Studie zeigt, dass Wasserkraftwerke schon jetzt eine wesentliche Ursache für den Artenrückgang bei Fischen im Mittelmeerraum sind. Mehr als 6.300 Wasserkraftwerke sind in Planung.

Mehr lesen

EuGH: Naturschutz muss beachtet werden

10.07.2020

Eine Insel, auf der Trauerseeschwalben leben und die wegen der Landwirtschaft entwässert wird... Der Konflikt führte zu einer Klage des NABU. Ergebnis: Wer Umweltschäden verursacht, muss dafür haften. Trotzdem kann landwirtschaftliche Nutzung auch in Schutzgebieten erlaubt sein.

Mehr lesen