Wasser & Meere

Plastikplage auf Europas Meeresböden

28.07.2020

c. pixabay

Die Meeresschutzorganisation Oceana hat einen bebilderten Bericht über die verheerenden Auswirkungen von Kunststoff auf den Meeresböden in Europa und im Mittelmeer veröffentlicht. Demnach entspreche der Müll, der sich an den Stränden und an der Oberfläche der Ozeane ansammelt, nur 1 Prozent des gesamten Plastiks in der Meeresumwelt. Die restlichen 99 Prozent landeten Hunderte von Metern unter der Oberfläche und bedrohen Gebiete von hohem biologischen Wert, wie Seeberge, Schluchten und Steilflächen.

Maßnahmen wie Strandreinigung oder die Sammlung von Oberflächenabfällen seien zwar wichtig, aber völlig unzureichend, wenn das Problem von Kunststoffen im Ozean an der Wurzel gepackt werden soll. Die Herstellung von Einwegkunststoffen sei zu reduzieren, und es seien ehrgeizige nationale Rechtsvorschriften gefragt, die weit über die bisherigen EU-Empfehlungen zu Einwegplastik hinausgehen, so Oceana.

Meeresböden zeichneten sich durch hohe Artenvielfalt und als strategische Futter- und Fortpflanzungszonen für Arten wie Korallen, Wale und Haie aus. Unterwassergeographische Merkmale und Strömungen kanalisierten jedoch Plastikmüll und lagerten den Abfall in der Tiefe ab – wodurch große Unterwasserdeponien entstünden, so die Organisation. Darüber hinaus sei der Abbau dieser Abfälle aufgrund niedriger Temperaturen und wegen des Lichtmangels langsamer als in Oberflächengewässern, so dass die Kunststoffe jahrhundertelang intakt und damit eine Gefahr für die sensible Unterwasserwelt blieben. "Wenn es um Meerespolitik geht, fallen die Meeresböden dem 'großen Vergessen' anheim", kritisierte Oceana-Expeditionsexperte Ricardo Aguilar. [jg]

Pressemitteilung und Studie "Plastic in the depp: an invisible problem" von Oceana