Wasser & Meere

Meeresrat fordert Sofortmaßnahmen für Delfine und Schweinswale

27.05.2020

c. pixabay

Die Berichte über tote Delfine und tote Schweinswale nehmen zu. Wissenschaftler*innen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) haben nun Empfehlungen zum Schutz von zwei gefährdeten Meeressäugern veröffentlicht und die Europäische Kommission dazu aufgerufen, Notfallmaßnahmen zu erlassen. Hierzu gehört auch das Verbot bestimmter Fangmethoden in der Fischereiwirtschaft.

Die Meeresschutzorganisation Seas At Risk und ein großes Bündnis weiterer Umweltorganisationen begrüßte den Vorstoß. Als unerwünschter "Beifang" zu enden, sei eine der größten Bedrohungen für das Überleben von Meeressäugern in europäischen Gewässern. Allein im Golf von Biskaya starben im Winter 2018-2019 rund 11.300 Delfine an den Folgen der Fischereitätigkeit. In der Ostsee ist der Schweinswal stark gefährdet, nur wenige hundert Tiere überleben.

Die ICES-Empfehlungen reichen von der zeitlichen und räumlichen Einschränkung der Stellnetz-Fischerei in bestimmten Gebieten der deutschen, polnischen und schwedischen Ostsee sowie dem Golf von Biskaya. Darüber hinaus sollen vermehrt Vergrämungsgeräte (sogenannte Pinger) zum Einsatz kommen, um Delfine und Schweinswale von Netzen fernzuhalten. Der ICES empfiehlt der EU außerdem, dass der Beifang von Meeressäugern und der Fischereiaufwand stärker dokumentiert werden, um eine verbesserte Datengrundlage zu erhalten.

Die Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderten die EU und das Bundesministerium für Fischerei auf, endlich zu handeln. "Fast 30 Jahre lang haben es die Mitgliedstaaten versäumt, den Beifang zu stoppen. Das hat zur Folge, dass Notfallmaßnahmen notwendig sind, um den Ostsee-Schweinswal vor dem Aussterben zu schützen. Die jetzt veröffentlichten Empfehlungen sind also die Quittung für die Versäumnisse der Vergangenheit", so Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC. Bettina Taylor vom BUND-Meeresschutzbüro ergänzte, dass die EU-Mitgliedstaaten ihre gesetzliche Pflicht vernachlässigten, wenn sie den Beifang von Meeressäugern nicht verhindern.

Der NABU hatte bereits anlässlich des Internationalen Tages des Ostseeschweinswals am 17. Mai mehr politische Verantwortung zum Schutz mariner Arten gefordert. "Angesichts von Klimakrise und Artensterben ist es an der Zeit, Schutzgebietsmanagement wirkungsvoll umzusetzen, Stellnetze durch naturverträgliche Alternativen zu ersetzen und den Bau des Fehmarntunnels zu stoppen", mahnte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. [jg]

ICES-Pressemitteilung

Seas At Risk

BUND

NABU zum 17. Mai