Naturschutz & Biodiversität

Koalition für Ambition: Bald 30 Prozent der Welt unter Schutz?

12.01.2021

c. pixabay

30 Prozent der Meeres- und Landesflächen weltweit sollten bis 2030 unter Schutz stehen. Zu diesem Ziel bekannten sich rund 50 Staats- und Regierungschef*innen bei einer Veranstaltung der High Ambition Coalition (HAC) for Nature and People am Montag. Die EU-Kommission (Rede von Ursula von der Leyen) war ebenso Teil des Events wie Deutschland. Frankreich hatte eingeladen.

Der One Planet Summit 2021 stand ganz unter dem Zeichen von Biodiversitätsschutz. Es ging um Schutzgebiete, Agrarökologie, Finanzierungsfragen und Tropenwald- sowie Gesundheitsschutz. Die HAC vereinbarte, sich für das 30/30-Ziel einzusetzen. Zur Koalition gehören auch das mit Frankreich als Initiator fungierende Costa Rica, Großbritannien und Kanada. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündete, dass Deutschland sich ebenso an der internationalen HAC-Initiative beteiligen werde. Sie warb beim Gipfel außerdem für die Internationale Allianz zur Reduzierung von Gesundheitsrisiken im Wildtierhandel. Diese Initiative wurde im vergangenen Jahr vom Bundesumwelt (BMU)- und Bundesentwicklungsministerium (BMZ) gemeinsam mit internationalen Partnern gestartet.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte: "Deutschland geht in der EU und international engagiert voran, um Flächen an Land und im Meer effektiv zu schützen. Doch wir können unsere Ziele nur gemeinsam erreichen. Nötig sind ein Netzwerk aus gut und fair geführten Schutzgebieten und eine nachhaltige Naturnutzung, die nicht an Grenzen Halt macht. Ich setze mich für einen Naturschutz ein, der zugleich die Menschen in den Schutzgebieten und um die Schutzgebiete herum einbezieht."

"Mit dem Bekenntnis zum 30-Prozent-Ziel muss Deutschland jetzt auch deutlich tiefer in die Tasche greifen, um die Umsetzung dieses ehrgeizigen Ziels unter Anerkennung und Unterstützung der Rechte indigener Völker zu unterstützen."

Dr. Georg Schwede, Representative Europe, Campaign for Nature

Die Campaign for Nature begrüßte die HAC-Erklärung. Gremien wie der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) forderten schon länger deutlich erhöhte Anstrengungen zum wirksamen Schutz global wichtiger Land- und Meereslebensräume als entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Biodiversitäts- und Klimakrise, unterstrich Georg Schwede, Europachef der Campaign for Nature. Der EU-Umweltrat hatte unter Führung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft bereits im vergangenen Oktober das 30-Prozent-Ziel als einen Eckpfeiler der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 verabschiedet.

Organisiert von Frankreich, den Vereinten Nationen und der Weltbank trafen sich in Paris beziehungsweise virtuell Staats- und Regierungschef*innen, internationale Organisationen, Finanzinstitutionen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen. Es ging beim One Planet Summit um konkrete Maßnahmen zum Erhalt und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt, um systemische Veränderungen der Volkswirtschaften und um ein deutliches Zeichen. Denn - falls die Pandemie es zulässt - soll der auf dieses Jahr verschobene UN-Gipfel zum Übereinkommen zur biologischen Vielfalt (CBD) im chinesischen Kunming einen neuen globalen Rahmen für den Umgang mit Biodiversität setzen. [jg]

One Planet Summit 2021

High Ambition Coalition Event

BMU-Pressemitteilung: One Planet Summit: Deutschland setzt sich für besseren internationalen Schutz der biologischen Vielfalt ein

Reaktion von Campaign for Nature

Vorab-Berichterstattung bei Euractiv: One Planet Summit: Die Finanzwelt am Krankenbett der Biodiversität

Kommentar von Greta Thunberg

Vor dem Hintergrund, dass von den im Jahr 2010 unterzeichneten Biodiversitätszielen zum Schutz von Arten und Ökosystemen bis 2020 nicht ein einziges erreicht ist, twitterte Umweltaktivistin Greta Thunberg am 11. Januar, dass sie das meiste als leere Versprechungen, als "blabla" interpretiert:

"LIVE from #OnePlanetSummit in Paris:
Bla bla nature
Bla bla important
Bla bla ambitious
Bla bla green investments
Bla bla great opportunity
Bla bla green growth
Bla bla net zero
Bla bla step up our game
Bla bla hope
Bla bla bla...*

*locking in decades of further destruction"

Antwort Emmanuel Macron: "Make our blabla great again"


NABU-Blog: Auftakt ins Superjahr?

Als einen "guten Auftakt" bezeichnete der NABU in seinem Blog "Naturschätze retten" den One Planet Summit. Ob das Ganze allerdings der Start in ein "Superjahr" für Biodiversität ist, lasse sich nur an den daraus folgenden Taten messen. Da hat der NABU schon einige Vorschläge für GAP, Finanzierung und Renaturierung. Weiterlesen


WWF: Deutschland verfehlt Wildnisziel

Statt der geplanten 2 Prozent sind Ende des Jahres 2020 schätzungsweise gerade einmal 0,6 Prozent der Landfläche in der Bundesrepublik laut WWF geschützte Wildnisgebiete. Das 2-Prozent-Ziel ist Teil der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt von 2007. "Das ohnehin magere, selbstgesteckte Wildnis-Ziel der Bundesregierung wurde deutlich verfehlt", erklärte Albert Wotke, Wildnis-Referent beim WWF Deutschland. Das liege unter anderem am Scheitern von Nationalpark-Projekten sowie fehlendem Mut und Engagement. Weiterlesen