Tierschutz

Mediziner*innen, Umwelt- und Tierschützer*innen fordern: Reserveantibiotika stärker regulieren

18.11.2021

Zum Europäischen Antibiotikatag formulierten Nichtregierungsorganisationen, Prominente und Politiker*innen heute (Donnerstag) einen Appell an die EU-Kommission: Die für Menschen wichtigsten Antibiotika sollten nicht in der Tierhaltung verwendet werden dürfen.

So müssten die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „von kritischer Bedeutung und mit höchster Priorität“ eingestuften Antibiotika (CIA HP) vom Einsatz in der industriellen Tierhaltung in der EU ausgeschlossen werden, fordern die Organisationen. Die Einzeltierbehandlung für Haustiere solle dabei weiterhin möglich bleiben. Ein entsprechender Antrag des Umweltausschusses im EU-Parlament im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Tierarzneimittelverordnung war im September vom Plenum des Parlaments abgelehnt worden (siehe EU-News vom 16.09.).

Auch die Mitgliedstaaten selbst müssten durch nationale Antibiotika-Resistenzstrategiepläne dafür sorgen, dass die CIA HP nicht in der industriellen Tierhaltung verwendet werden dürfen, wodurch sie zunehmend zur Entwicklung von Antibiotikaresistenzen beitragen.

Die Organisationen fordern weiterhin, das Tierschutzrecht der EU so zu überarbeiten, dass die Gesundheit der Tiere bereits durch die Art der Zucht, Haltung und Fütterung verbessert werden kann.

Der Appell wurde von 25 Organisationen unterstützt, darunter Germanwatch, die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, ProVieh, PAN Germany und Compassion in World Farming.

Auch der Europaabgeorndete Martin Häsuling (Grüne/EFA, Deutschland) rief dazu auf, besonders wichtige Reserveantibiotika nicht in der industriellen Tierhaltung einzusetzen. Es sei „hinlänglich bekannt, dass es sehr wohl möglich ist, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung deutlich zu reduzieren: Das Immunsystem der Tiere kann durch artgerechtere Haltungsbedingungen und Fütterung gestärkt werden, auch Zucht und ein besserer Betreuungsschlüssel können einen Unterschied machen. Der Ökolandbau beweist, dass es auch ohne oder mit wesentlich weniger Antibiotika geht“, so Häusling.

Werden Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Menschen Resistenzen gegen diese Medikamente bilden. Die EU-Kommission überarbeitet derzeit die EU-Tierarzneimittelverordnung, deren Änderungen im Januar 2022 in Kraft treten. [km]

Germanwatch: Wichtigste Antibiotika bewahren – stärkere Regulierung (in) der Tierhaltung!

Martin Häusling: Europäischer Antibiotikatag: Reserveantibiotika raus aus der Tiermast!