Wasser & Meere

Alles schlecht im Fluss?

15.04.2021

c. pixabay

Ökologische Schäden und sinnlose Kosten fürchten Umweltschutzorganisationen in Deutschland und Tschechien an der Elbe. Kritik aus der Wissenschaft erntet die Stromregulierungskonzeption an der Oder. An der Donau wird Stör gewildert. Kaum ein Fluss in Deutschland ist in gutem Zustand, konstatierte das Umweltbundesamt Ende März. Kurz vorher hatte der Bundestag für schnelleren Gewässerausbau gestimmt.

 

Deutsch-tschechisches Elbe-Abkommen: „ökologische Schäden, sinnlose Kosten“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die tschechische Umweltorganisation Arnika haben die Unterzeichnung eines Regierungsabkommens zwischen Deutschland und Tschechien zur Schiffbarkeit der Elbe kritisiert. Die Organisationen warnen vor „weiteren ökologischen Schäden und sinnlosen Infrastrukturausgaben“. Das Abkommen würde den Druck zum Ausbau des Flusses weiter erhöhen, obwohl Gütertransporte per Schiff rapide abgenommen haben und langanhaltende Dürreperioden der Elbe zunehmend zusetzen. Mit dem Abkommen würde die verfehlte Elbe-Politik der vergangenen Jahrzehnte fortgesetzt.
BUND: Deutsch-tschechisches Elbe-Abkommen: 25 Jahre verfehlter Politik droht Fortsetzung

 

Grenzoder: Kritik an Vorlage zur strategischen Umweltprüfung

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat eine Stellungnahme zur Strategischen Umweltprüfung (SUP) an der Grenzoder abgegeben. Die Forschungsgruppe kritisierte die sogenannte Scoping-Vorlage der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, da weder der Zweck noch die Beschreibung des Vorhabens der „Stromregelungskonzeption“ eindeutig daraus hervorgingen. Zudem enthalte sie präferierte Vorannahmen für Wirkfaktoren, Wirkräume und Schutzgegenstände, dafür fehlten voraussichtliche Vorhabenswirkungen. Dies sei „für die Prüfung der ökologischen wie auch der hydrologischen Auswirkungen im Hinblick auf die fachliche gute Praxis nach Ansicht der Forschenden definitiv nicht ausreichend und daher abzulehnen“. Verschiedene Stressoren könnten sich wechselseitig negativ verstärken. Um eine sinnvolle und umfassende Bewertung vornehmen zu können, müssten aber alle hydromorphologischen Veränderungen und deren Auswirkungen erfasst werden.
IGB-Stellungnahme zur Strategischen Umweltprüfung an der Grenzoder | IGB (igb-berlin.de)

Ein zentrales Instrument zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sind Bewirtschaftungspläne für das gesamte Flusseinzugsgebiet. Bis 22. September 2021 läuft eine Öffentlichkeitsanhörung zum Entwurf der zweiten Aktualisierung des Bewirtschaftungsplans für die Internationale Flussgebietseinheit Oder: Weitere Informationen.

Donau: Systematische Rechtsverstöße beim Wildtierhandel mit Stören

Neue Beweise für systematische Verstöße beim Handel mit Fleisch und Kaviar von wild gefangenen Stören hat der WWF Zentral- und Osteuropa (CEE) in der unteren Donauregion aufgedeckt. Fast ein Drittel der im Rahmen der WWF-Marktstudie gekauften Störprodukte seien illegal gewesen, 214 Fälle von Wilderei wurden von den Behörden registriert. Die Erhebung kombinierte offizielle Daten zu illegalen Fischereiaktivitäten der zuständigen Behörden mit den Ergebnissen einer groß angelegten Marktuntersuchung und forensischen Analysen von Fleisch- und Kaviarproben in Bulgarien, Rumänien, Serbien und der Ukraine zwischen Oktober 2016 und Juli 2020.
WWF CEE-Pressmitteilung  und Studie (engl., PDF, 56 p.): Market-Survey Danube Sturgeons

 

93 Prozent der deutschen Flüsse in schlechtem ökologischen Zustand, Bundestag stimmt für einfacheren Ausbau der Bundeswasserstraßen

Laut dem Ende März veröffentlichten Umweltmonitor 2020 des Umweltbundesamtes (UBA) sind nur sieben Prozent der Flüsse in einem guten ökologischen Zustand, das Ziel der ⁠EU-Wasserrahmenrichtlinie⁠ werde damit „weit verfehlt“. An knapp 16 Prozent der Messstellen werde der Grenzwert zur Nitratbelastung des Grundwassers überschritten, was an der immer noch zu hohen Nährstoffbelastung der Gewässer liege, vor allem verursacht durch die Landwirtschaft. Noch sei nicht klar, welche Auswirkungen die seit Mai 2020 geltende neue Düngeverordnung habe. Das UBA empfiehlt, statt pauschaler Flächenprämien über die EU-Agrarförderung ökologische Leistungen, wie ⁠Gewässerrandstreifen⁠ und ökologische Bewirtschaftung zu honorieren, sowie den Ökolandbau auszuweiten und einen geringeren Fleischkonsum anzustreben.

Der Deutsche Bundestag hatte Ende März einem Gesetzentwurf zugestimmt, laut dem der Bund künftig den wasserwirtschaftlichen Ausbau der Bundeswasserstraßen, soweit dieser zur Erreichung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erforderlich ist, als Hoheitsaufgabe übernimmt. Bund und Länder seien sich einig, dass die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine gesamtstaatliche Aufgabe ist, die nur im Zusammenwirken aller für Gewässer zuständigen Stellen bewältigt werden kann, heißt es in der Vorlage. [jg]

Umweltzustand 2020: Umweltbundesamt zieht gemischte Bilanz

Bundestag stimmt für einfacheren Ausbau der Bundeswasserstraßen

Studie zum niederländischen „Raum-für-Flüsse“-Programm

Das niederländische "Room for the River"-Programm ist weltweit als Beispiel für eine erfolgreiche Flusssanierung anerkannt. Durch den Klimawandel steigt das Risiko von Hochwasserereignissen. Wie ein vorteilhaftes integriertes Hochwasserrisikomanagement erreicht werden kann, analysiert eine neue Studie. Es geht um die in den niederländischen Flussprojekten vom Vertragsbeginn bis Bauende eingesetzten Politikinstrumente.
Science for Environment Policy Issue 559


Tonnenweise Reifenabrieb in Gewässern

Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) gelangen jährlich 60.000 bis 70.000 Tonnen Reifenabrieb in den Boden und 8.700 bis 20.000 Tonnen in Oberflächengewässer. Laut Forschung komme es maßgeblich darauf an, wo der Reifenabrieb entsteht: Auf Straßen innerhalb von Ortschaften und Städten spüle Regen den Reifenabrieb früher oder später in die Kanalisation. Bei Mischwassersystemen mit Kläranlage würden mehr als 95 Prozent des Reifenabriebs zurückgehalten. An Straßen außerorts finde die Versickerung der Straßenabflüsse in der Regel über Bankett und Böschung statt. Der größte Teil des Reifenabriebs werde so in den straßennahen Boden eingetragen und dort zurückgehalten. Etwa 12 bis 20 Prozent des Reifenabriebs könne aber auch in Oberflächengewässern landen. Dort werde ein Teil der Partikel abgebaut beziehungsweise lagere sich im Sediment ab, genau sei das bisher nicht bestimmbar. In einer Modellstudie für das Einzugsgebiet der Seine und der Schelde seien etwa 2 Prozent der ursprünglich freigesetzten Reifenabriebmenge in das Meer transportiert worden. Für Flüsse in Deutschland lägen noch keine Modellrechnungen vor. Weiterlesen


Biodiversitätsstrategie, Renaturierung und invasive Arten

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat zu drei aktuellen öffentlichen Konsultationen Stellung genommen: der EU-Biodiversitätsstrategie 2030, dem geplanten Gesetz zur Wiederherstellung von Natur und zu invasiven Arten. Unter anderem befürworten die IGB-Forschenden verbindliche EU-Renaturierungsziele, denn diese "können ein sinnvolles und geeignetes Instrument sein, um Binnengewässer und ihre Ökosystemleistungen besser zu schützen". Allerdings müssten die Einzugsgebiete beachtet werden, die reine Flächenabdeckung der Gewässer sei nicht zielführend. Weiterlesen