Gasförderung: DNR fordert Ablehnung des Unitarisierungsabkommens
Beratung zur Gasförderung vor Borkum im Bundestag

Berlin - Der Deutsche Bundestag berät heute in erster Lesung das Vertragsgesetz zum sogenannten Unitarisierungsabkommen mit den Niederlanden. Das Abkommen soll die gemeinsame Erschließung grenzüberschreitender Erdgasvorkommen in der Nordsee ermöglichen - darunter die umstrittene Gasförderung vor Borkum. Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) kritisiert das Vertragsgesetz und fordert den Bundestag auf, es abzulehnen.
Im Zentrum steht ein Gasförderprojekt des Unternehmens One-Dyas, das nur rund 500 Meter vom Weltkulturerbe und Nationalpark Wattenmeer entfernt liegt. Selbst im Fördermaximum würde das Gasfeld deutlich weniger als ein Prozent des deutschen Gasverbrauchs decken. Gleichzeitig drohen erhebliche Schäden für ein hochsensibles Ökosystem sowie zusätzliche Treibhausgasemissionen.
„Dieses Projekt ist energiewirtschaftlich irrelevant und klima- sowie umweltpolitisch hochproblematisch“, erklärt DNR-Geschäftsführer Florian Schöne. „Das Abkommen steht im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen und dem deutschen Klimaschutzgesetz, die beide im Vertragstext unerwähnt bleiben. Es gibt keine CO₂-Bilanzierung, keine Umweltstandards und keine Perspektive für den Ausstieg aus fossilem Gas.“
Besonders kritisch: Das Abkommen wirkt weit über das konkrete Projekt hinaus. Es schafft einen Präzedenzfall, der weitere Gasbohrungen erleichtert und staatliche Handlungsspielräume bei Umwelt- und Sicherheitsauflagen einschränkt. Genehmigungen würden faktisch festgeschrieben, selbst wenn neue ökologische Erkenntnisse oder klimapolitische Anforderungen dies eigentlich erfordern würden.
„Mit diesem Vertragsgesetz würde der Bundestag neue fossile Abhängigkeiten zementieren - für minimale Erträge und maximale Risiken“, so Schöne. „Stattdessen braucht es eine konsequente Reduktion des Gasverbrauchs durch Effizienz, Elektrifizierung und den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien.Das ist der einzige Weg zu echter Energie- und Klimasicherheit.“
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Alexander Kräß
Projektreferent für Klima- und Energiepolitik, insbesondere Gas und Wasserstoff



