Gemeinsame Pressemitteilung

Klimaschutz: Internationaler Druck auf Deutschland wächst

07.05.2018

Anlässlich der internationalen Verhandlungen um wirksamere und ehrgeizigere Klimaziele hat ein großes Spektrum deutscher Nichtregierungsorganisationen Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handeln aufgefordert.

Beim Talanoa-Dialog, dessen erste Runde am Sonntag in Bonn stattgefunden hat, diskutieren Regierungen aus aller Welt, welche zusätzlichen Anstrengungen von den einzelnen Ländern zu leisten sind, damit die Erderhitzung auf deutlich unter 2 bzw. möglichst 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann. Mehrere Länder, darunter die Marshall-Inseln, eine Reihe lateinamerikanischer Länder und Neuseeland haben am Sonntag gefordert, die Klimaschutzpläne weiter zu verschärfen und angekündigt, ihre 2030-Klimaziele zu erhöhen.

Damit wachse der Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, so die Organisationen. Die Kanzlerin dürfe sich beim Klimaschutz in Deutschland nicht länger heraushalten und die Arbeit zur Erreichung der Pariser Klimaziele ihrer Umweltministerin überlassen.

„Egal ob Kohle, Verkehr oder Gebäude – überall wird auf Zeit gespielt, die wir nicht haben. Die Bundesregierung fährt in allen zentralen Sektoren auf Sicht und riskiert neben den Klimazielen auch den ökonomischen Anschluss zu verpassen. Als Schutzpatron untergehender Fossilien, egal ob Kohle oder Diesel, gewinnt man höchstens einen Aufsichtsratsposten, aber keinen Preis für gutes Regieren. Angela Merkel muss endlich Mut haben, die notwendigen Weichen für den Klimaschutz zu stellen.“

DNR-Präsident Kai Niebert

Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland: „Aus Bonn sendet die Weltgemeinschaft das Signal, dass beim Klimaschutz jetzt mehr passieren muss. Es kann nicht sein, dass Gastgeber Deutschland dazu nichts Konkretes sagen konnte. Spätestens zum nächsten Klimagipfel in Polen im Dezember muss die Bundeskanzlerin erklären, wie sie schon bis 2020 und dann bis 2030 mehr beim Klimaschutz erreichen will. Das erfordert unter anderem einen konkreten Plan zum schnellen Kohleausstieg und endlich eine echte Verkehrs-und Wärmewende anzupacken.”

Kai Niebert, Präsident des Umweltdachverbandes DNR: „Egal ob Kohle, Verkehr oder Gebäude – überall wird auf Zeit gespielt, die wir nicht haben. Die Bundesregierung fährt in allen zentralen Sektoren auf Sicht und riskiert neben den Klimazielen auch den ökonomischen Anschluss zu verpassen. Als Schutzpatron untergehender Fossilien, egal ob Kohle oder Diesel, gewinnt man höchstens einen Aufsichtsratsposten, aber keinen Preis für gutes Regieren. Angela Merkel muss endlich Mut haben, die notwendigen Weichen für den Klimaschutz zu stellen.“

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch und Mitglied im Sprecherrat der Klima-Allianz Deutschland: „Beim Talanoa-Dialog haben Vorreiter-Staaten, aber auch Vertreter von Städten und Unternehmen gezeigt, dass mehr Klimaschutz machbar ist und wirtschaftliche Chancen schafft. Der erforderliche Strukturwandel muss aber politisch organisiert werden. Die Bundeskanzlerin muss dafür sorgen, dass die Bundesregierung sich dieser Aufgabe stellt. Die Kohlekommission und die Verkehrskommission müssen sich bis Ende des Jahres auf die dafür nötigen Maßnahmen einigen.“

Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland und Mitglied im Sprecherrat der Klima-Allianz Deutschland: „Nur mit einem zügigen Kohleausstieg bleibt Deutschlands Glaubwürdigkeit beim Klimaschutz intakt. Zur Umsetzung liegen konkrete Vorschläge auf dem Tisch, etwa der Vorschlag für einen regionalen CO2-Mindestpreis von Präsident Macron. Auch in der EU muss Deutschland sich für bessere Ziele beim Ausbau Erneuerbarer und bei der Energieeffizienz stark machen. Die neue Langfriststrategie für den Klimaschutz in Europa wird das Papier nur wert sein, wenn sie sich an den Zielen von Paris orientiert." 

Joachim Fünfgelt, Referent für Klima- und Energiepolitik bei Brot für die Welt und Mitglied im Sprecherrat der Klima-Allianz Deutschland: „Die vom Klimawandel besonders betroffenen ärmsten und verletzlichsten Länder haben hier deutlich gemacht, dass eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad für sie eine Überlebensfrage ist. Wir erwarten von Deutschland und der EU, dass sie beim Klimagipfel im Dezember ankündigen können, dass sie ihre Klimaziele für 2030 und 2050 entsprechend anpassen und endlich in Einklang mit Paris bringen werden.“

In Bonn stehen für Rückfragen und Interviews zur Verfügung:

Germanwatch
Lutz Weischer
Mobil: 0174 - 99 17 040
E-Mail: weischer@germanwatch.org

WWF Deutschland
Kristin Reißig, Expertin für internationale Klimapolitik
Mobil: 0151 - 18 85 48 71
E-Mail: kristin.reissig@wwf.de

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