Klimakrise: Reaktionen auf den 6. IPPC-Bericht

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) hat am 9. August seinen sechsten Sachstandsbericht veröffentlicht. Neben dem Umweltdachverband selbst [siehe DNR-Pressestatement] haben auch zahlreiche DNR-Mitglieder auf dessen erwartbare und dennoch schockierenden Erkenntnisse reagiert.

Der erste von insgesamt drei Berichten liefert eine aktuelle Zusammenstellung und Bewertung des weltweiten Wissens über das Klima aus naturwissenschaftlicher Sicht. Der Weltklimarat hat unmissverständlich klargemacht, dass die Klimakrise vom Menschen gemacht ist und Extremwetterereignisse wie Starkregen und Hochwasser, Hitzewellen und Brände befeuert. Bereits ab 2030 könnte die 1,5-Grad-Schwelle der Erderwärmung überschritten sein. Weitere Teilberichte sollen im kommenden Jahr erscheinen.

Der BUND kommentierte, dass der sozial-ökologischen Umbau der gesamten Gesellschaft dringend eingeleitet werden muss. BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock erklärte: "Spätestens ab dem Jahr 2040 muss unser Wirtschaften zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energie basieren. Wir müssen jetzt radikal umsteuern, um die Klimakrise zu bekämpfen und unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Es ist allerhöchste Zeit, die politischen Weichen dafür zu stellen. Alle Parteien müssen vor der Bundestagswahl klarstellen, wie sie der Klimakrise begegnen wollen – und das nach der Wahl auch umsetzen."

Reaktion BUND: Weltklimarat zeigt düstere Zukunft auf – BUND fordert sofortiges radikales Umsteuern

 

Der NABU schrieb, dass der Weltklimarat erneut bestätige, "dass wir uns mitten in der größten menschengemachten Krise aller Zeiten befinden". Es bleibe nicht viel Zeit, um verheerende, unumkehrbare Klimafolgen abzuwenden. Die Wiederherstellung natürlicher Treibhausgassenken, wie Wälder und Moore, sowie eine naturverträgliche Energiewende seien dringender denn je. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger sagte: "Der Bericht zeigt einmal mehr, wie dringend die Bekämpfung der Klimakrise ist. Gerade kurz vor der Bundestagswahl müssen die Parteien zeigen, dass sie sich den Herausforderungen stellen und endlich konkretere Maßnahmen im Kampf gegen die Erderhitzung vorlegen. Parteien, die nach den Extremwetterereignissen in Deutschland und weltweit und diesem drastischen Bericht noch immer nur ungefähre und unklare Aussagen zur Bewältigung der Klimakrise verlauten lassen, beweisen vor allem fehlende Lösungskompetenz für eine entscheidende Zukunftsfrage.“

Reaktion NABU: IPCC-Weltklimabericht warnt vor Klimawandel. Intakte Ökosysteme dringend nötig für Klimaschutz und Anpassung

 

Germanwatch sieht in dem Bericht einen „drängenden Appell zu schnellem und entschiedenem Handeln“. „Der Bericht zeigt so umfassend und klar wie nie zuvor, dass sich das Fenster zum Einhalten des 1,5-Grad-Limits schnell schließt“, kommentierte Rixa Schwarz, Leiterin des Teams Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Die Instrumente, um das 1,5 Grad-Limit noch einzuhalten, sind verfügbar. Wenn jedoch die globalen Emissionen nicht in den nächsten Jahren zügig und nachhaltig sinken, werden wir das Limit reißen. Es muss gelingen, die globalen Emissionen in den kommenden zehn Jahren nahezu um die Hälfte zu reduzieren.“ Dies sei – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Flutkatastrophen in Teilen Deutschlands und der verheerenden Waldbrände in großen Teilen der Mittelmeerregion – auch ein dringender Appell an die Parteien im laufenden Wahlkampf.

Reaktion Germanwatch: Alarmierender Bericht des Weltklimarats IPCC: Klimakrise muss schnell und entschieden eingedämmt werden

 

Der Deutsche Alpenverein (DAV) kommentierte, dass "hinter den nüchternen Sätzen der Klima- Wissenschaftler*innen (...) unüberhörbar der Alarm" tönt. Es gebe nach wie vor keine Entwarnung für Mensch und Klima. Steffen Reich, Leiter des Ressorts Naturschutz beim Deutschen Alpenverein, kommentierte: „Der IPCC-Bericht unterstreicht noch einmal die Bedeutung der Klimaresolution, die der DAV 2019 verabschiedet hat. Dort heißt es: „Die Zeit des Zauderns ist vorbei. Wir müssen handeln. Jetzt!“. Die Mammutaufgabe, den Klimawandel zu begrenzen, könne nur gemeinsam gemeistert werden - und der DAV wolle mit gutem Beispiel in Richtung Klimaneutralität vorangehen.

Reaktion DAV: Keine Entwarnung für Mensch und Klima

 

Aus Sicht des WWF könne die Wissenschaft "lauter als im neuen Bericht des Weltklimarats" nicht mehr warnen. "Wir müssen dringend handeln, ein weiteres Zögern werden wir uns selbst nicht mehr verzeihen können – ganz zu schweigen von unseren Kindern“, sagte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Der Bericht zeige unter anderem, dass die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre aktuell höher ist als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in den letzten 800.000 Jahren – mindestens. Die Oberflächentemperatur sei so schnell angestiegen wie nie zuvor in den vergangenen 2.000 Jahren – mindestens. Und der Meeresspiegel sei im vergangenen Jahrhundert schneller angestiegen als in den 3.000 Jahren zuvor – mindestens.
"Die Bundestagswahl im September muss daher eine Wahl für den Schutz unseres Klimas, der Biodiversität und somit letztlich für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen sein. Noch haben wir es in der Hand, noch können wir Schlimmes verhindern. Aber eins steht fest: Wir müssen schnell handeln“, so Heinrich.

WWF: Weltklimarat veröffentlicht neuen Bericht/Bundestagswahl muss Klimawahl werden

 

"Jetzt wirklich #AlleFürsKlima" twitterten die Naturfreunde anlässlich der Veröffentlichung, da das Klimasystem "einen 'Bremsweg' von vier Jahrzehnten" habe. Die Organisation rief auf, sich am 11.9. ("mit #aussteigen zur #IAADemo") und am 24.9. ("mit #FridaysForFuture zum Klimastreik") an Klimaschutzdemonstrationen zu beteiligen.

Naturfreunde-Tweet

 

Das Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften B.A.U.M. e.V. forderte angesichts des IPPC-Berichtes "Rahmenbedingungen, die #nachhaltigesWirtschaften und #Innovationsfreude belohnen". Gesellschaftlicher Zusammenhalt und wirtschaftliche Prosperität hingen von effektivem Klimaschutz ab.

Tweet von B.A.U.M.

 

Robin Wood verwies via Twitter auf einen Blogbeitrag, der den bereits vor zwei Jahren veröffentlichten dringlichen Appell von über 14.000 Wissenschaftler*innen aus aktuellem Anlass erneut aufgriff. "Die #Klimakatastrophe hat schon jetzt überall auf der Welt fatale Auswirkungen – wir müssen JETZT handeln!", schrieb die Organisation.

Tweet von Robin Wood

 

Berichterstattung in den Medien (Auswahl)

 [zusammengestellt von Juliane Grüning]