Artikel von László Maráz

Wälder nutzen = Klima schützen – ein Selbstbetrug der Forstwirtschaft

Die Nachrichten über die Waldbrände in vielen Regionen und die Folgen der Klimakrise im heimischen Forst sind inzwischen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Etwas schwieriger zu verstehen sind die Debatten über den weiteren Umgang mit den geschädigten und bedrohten Wäldern. Viele Menschen wollen dem Wald helfen. Dabei ist es schwer nachzuvollziehen, dass die beste Hilfe wohl nicht, wie etwa nach einer Flutkatastrophe, im Aufräumen des Waldes und im Wiederaufbau mittels Pflanzung besteht. Dringender nötig wäre unser Engagement in anderen Bereichen: Knallharter Klimaschutz, der sowohl die Einsparung von Energie als auch von Rohstoffen und Nahrungsmittelverbrauch erfordert.

Klimakiller Holz?

Die Forstwirtschaft und die Holznutzung werden als Klimaschutzmaßnahmen angepriesen, seit Öffentlichkeit und Politik den Klimawandel als wichtig erachten. Davor genügte es, Wälder umzugestalten, Holzplantagen anzulegen, Bäume zu fällen und den schönen Werkstoff zu verwenden. Das funktionierte jahrhundertelang, ohne dass es nötig gewesen wäre, die Auswirkungen des Wirtschaftszweiges auf die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre zu betrachten. Angesichts der zunehmenden Waldzerstörung und der oft fatalen Folgen intensiver Holznutzung für die biologische Vielfalt suchten sich Forst- und Holzwirtschaft neue Argumente, um ihre Geschäfte zu legitimieren. Und es ist tatsächlich möglich, Forstwirtschaft auf eine Art und Weise betreiben, die Wälder möglichst wenig schädigt oder sogar bereits zerstörte Wälder wenigstens zu waldähnlichen Baumbeständen wiederaufbaut. Ökologisch anspruchsvolle Wald- und Holznutzung kann auch einen erheblichen Teil der Waldfunktionen aufrechterhalten. Holz kann, richtig eingesetzt, mit einer vergleichsweise geringen Umweltbelastung großen Nutzen stiften.

Die Klimaschutzargumentation wird aber zunehmend missbraucht: Verstärkter Holzeinschlag, mehr Holzverbrennung und die Steigerung des Holzverbrauches helfen weniger dem Klima, sondern vor allem den davon profitierenden Branchen. Darum haben kürzlich mehr als 500 internationale WissenschaftlerInnen einen Brief unter anderem an den US-Präsidenten und die Präsidentin der EU-Kommission veröffentlicht. Sie fordern die PolitikerInnen auf, Subventionen und andere Anreize zur Verbrennung von Holz zu stoppen und die Verbrennung von Biomasse nicht mehr als kohlenstoffneutral oder kohlenstoffarm zu bewerten.

Inzwischen wird auch Biotopholz billige Ramschware, die leider zu oft in ineffizienten Kaminöfen verbrannt wird und neuerdings auch die Laufzeit alter Kohlekraftwerke verlängern soll. So werden derzeit von deutscher Entwicklungszusammenarbeit Pläne vorangetrieben, im Hamburger Kohlekraftwerk Tiefstack Biomasse aus Namibia zu verbrennen. Da die Verbuschung dort auf riesigen Flächen voranschreitet, soll die Rodung der Büsche billige Biomasse liefern und angeblich dem Schutz der Artenvielfalt dienen. In einem offenen Brief wenden sich 40 deutsche und internationale umwelt-, entwicklungs- und stadtpolitische Organisationen, AkteurInnen der Klimagerechtigkeitsbewegung und WissenschaftlerInnen an Bundesminister Gerd Müller, in dessen Auftrag die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Projekt „Nutzung von Busch-Biomasse“ in Namibia durchführt. Das Vorhaben würde zu Klimaschäden und Arbeitsplatzabbau führen, ist von neokolonialem Denken geprägt und würde Ungerechtigkeit – sowohl global als auch in Namibia – verschärfen. Der Minister müsse daher das Projekt grundsätzlich auf den Prüfstand stellen.

„Dringender nötig wäre unser Engagement in waldfernen Bereichen: Knallharter Klimaschutz , der sowohl die Einsparung von Energie als auch von Rohstoffen und Nahrungsmittelverbrauch erfordert. ... Ökologisch anspruchsvolle Wald- und Holznutzung kann auch einen erheblichen Teil der Waldfunktionen aufrechterhalten. Holz kann, richtig eingesetzt, mit einer vergleichsweise geringen Umweltbelastung großen Nutzen stiften.“

László Maráz

Der Wald als „Klimaschützer“

Dass Wälder als wichtige „Verbündete“ für den Klimaschutz bezeichnet werden, bedeutet in der Regel: Wir müssen uns jetzt nicht zu arg anstrengen, denn die Wälder werden uns noch rechtzeitig retten. Bäume können das überschüssige CO2 aufnehmen und damit die weitere Verschmutzung der Atmosphäre quasi wie ein Staubsauger rückgängig machen. Ein noch absurderes Rezept lautet: Wenn wir den Waldstaubsaugerbeutel immer wieder leeren, können die Bäume noch besser saugen. Den Inhalt des Beutels, also das Holz, verbauen wir und speichern es in Dielen und Gebälk. Kurzum: Wenn wir weiterhin das tun, was wir seit Jahrhunderten machen, nämlich Bäume fällen, Holz ernten und verwenden, dann wird alles gut. Dass annähernd ebenso viel Altholz verbrannt wird, im Neubau eingelagert wird, wird geflissentlich übersehen.

Holzverbrennung – mehr Klimaschaden als Nutzen

Doch berechnet man die Emissionen etwa aus der Holzverbrennung in Kaminöfen, kommt man schnell zum Schluss, dass dieselbe Heizleistung eines Ölbrenners weniger Emissionen verursacht. Das Argument, bei der Holzverbrennung werde nur der Kohlenstoff verbrannt, den die Pflanzen vorher der Atmosphäre entnommen haben, trifft auch für fossile Brennstoffe zu. Zwar können nachwachsende Bäume wieder von vorn damit anfangen, das Kohlendioxid aus der Luft zu filtern. Das dauert aber viele Jahrzehnte. Zeit, die wir längst nicht mehr haben. Es geht um die Zeiträume, in denen auch Treibhausgase aus der Verbrennung von Biomasse exakt die gleiche fatale Wirkung aufs Klima haben wie das aus der Kohleverbrennung stammende CO2. Was bedeutet, dass wir eigentlich nur noch Holz verbrennen dürften, das bei der stofflichen Verwertung als Abfall anfällt. Die Absenkung der Holzvorräte im Wald trägt jedenfalls nicht zum Klimaschutz bei. Da es in der EU aber dennoch Bestrebungen gibt, das eigene Zögern beim Klimaschutz durch mehr Einsatz von Holz als Brennstoff zu kaschieren, haben sich auf Initiative der Organisation denkhausbremen mehrere Umweltverbände im November 2020 mit einer Erklärung an Politik und Öffentlichkeit gewandt, um diese Fehlentwicklung zu verhindern.

Es mehren sich Klagen von Anwohnern, für die ständige Rauch- und Giftschwaden aus alten Kaminöfen ein gesundheitsschädliches Ärgernis geworden sind. Wir werden uns auch angesichts der Möglichkeiten, Holz viel sinnvoller einzusetzen, von einem bedeutenden Teil dieser ineffizienten Anlagen verabschieden müssen.