Klimaschutz: EU und Deutschland machen keine gute Figur

Die EU-Statistikbehörde Eurostat hat am Freitag vorläufige Zahlen veröffentlicht, denen zufolge die Kohlendioxid-Emissionen im europäischen Energiesektor in 2017 angestiegen sind.
Eurostat beziffert die EU-weite Zunahme auf 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In 20 EU-Mitgliedstaaten legte der CO2-Ausstoß teils erheblich zu. Dreckiger Spitzenreiter ist Malta (fast plus 13 Prozent), gefolgt von Estland (plus 11,3 Prozent) und Bulgarien (plus 8,3 Prozent). Sieben EU-Länder konnten ihre klimaschädlichen Emissionen verringern. Die stärksten Rückgänge waren in Finnland (minus 5,9 Prozent), Dänemark (minus 5,8 Prozent) und im Vereinigten Königreich (minus 3,2 Prozent) zu verzeichnen. Deutschland wies magere 0,2 Prozent weniger CO2-Emissionen im Energiesektor auf. Schweden fehlt in der Analyse.
Auch auf internationaler Ebene steigt der Druck auf Deutschland, sich stärker im Klimaschutz zu engagieren: Anlässlich der Zwischenverhandlungen in Bonn für die diesjährige UN-Klimakonferenz forderten deutsche Nichtregierungsorganisationen am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handeln auf. Beim Talanoa-Dialog, dessen erste Runde am Sonntag stattgefunden hatte, diskutierten Regierungsvertreter*innen aus aller Welt, welche zusätzlichen Anstrengungen von den einzelnen Ländern zu leisten sind, damit die Erderhitzung auf deutlich unter 2 beziehungsweise möglichst auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann.
Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR) erklärte: „Egal ob Kohle, Verkehr oder Gebäude – überall wird auf Zeit gespielt, die wir nicht haben. Die Bundesregierung fährt in allen zentralen Sektoren auf Sicht und riskiert neben den Klimazielen auch den ökonomischen Anschluss zu verpassen.“
Der Talanoa-Dialog bezeichnet ein lockereres Gesprächsformat, bei dem jede*r Sprecher*in „Geschichten“ erzählt statt Positionen zu wiederholen, alle einander aufmerksam zuhören, in dem mehr auf gegenseitigen Respekt und Verständnis gesetzt wird und in dem mehr Ergebnisoffenheit vorherrscht.
Noch bis Donnerstag tagen Delegierte in Bonn, um wichtige Details des Klimaschutzabkommens von Paris auf den Weg zu bringen. Es geht zum Beispiel um die Klimaschutzfinanzierung sowie um ein gemeinsames Regelwerk, in dem Berichterstattungspflichten und Vergleichbarkeit von nationalen Klimaschutzplänen festgelegt werden sollen. [aw]
Eurostat
Gemeinsame Pressemitteilung von DNR und Klima-Allianz Deutschland
Bonner Zwischenverhandlung


