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Kühlen Kopf bewahren in hitzigen Zeiten
News | 24.07.2026
#Klima und Energie #Politik und Gesellschaft #Wirtschaft

Kühlen Kopf bewahren in hitzigen Zeiten

Eine Hand hält eine Erdkugel vor ein Thermometer. Im Hintergrund ein Waldbrand.
© pixabay
Brennende Wälder befeuern die Erderhitzung weiter

Weltweit wird es immer heißer und unser Kontinent erwärmt sich am schnellsten. Das ergab der Europäische Klimazustandsbericht von 2025. Im Juni dieses Jahres gab es in Europa eine langanhaltende Hitzewelle. Die Folgen: brennende Wälder in Südeuropa, auch hierzulande, und laut Robert Koch-Institut (RKI) allein in Deutschland bis Mitte Juli mehr als 6.800 Hitzetote. 

Ein Bericht von Marion Busch, freie Journalistin

Neben der erhöhten Sterblichkeit bei Menschen trifft die Überhitzung auch die Natur. Im vergangenen Jahr zerstörten die Brände beispielsweise in Spanien fast 4.000 Quadratkilometer Land – der höchste dort verzeichnete Wert, wie aus Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems hervorgeht. Dieses Jahr wurden bereits mehrere Tausend Hektar Fläche verbrannt. Auch in anderen europäischen Ländern wie Portugal, Griechenland und Frankreich, selbst in England gab es infolge der Hitzewelle zuletzt Waldbrände. Menschen verlieren ihre Häuser, ihre Existenzgrundlage, sogar ihr Leben. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe – so die Prognosen von Wissenschaftler*innen – werden Hitzewellen künftig immer häufiger und heftiger, die von Menschen verursachte globale Klimakrise weiter verstärkt. Ein Teufelskreis. 

Eine Frage der Umweltgerechtigkeit

Die Situation durch extreme Hitze wird als „stille Katastrophe“ bezeichnet. Sie ist nicht so sichtbar wie etwa die Lage bei Überflutungen. In Deutschland waren die Folgen dennoch deutlich zu bemerken: im Schienenverkehr zum Beispiel durch Gleisverwerfungen, auf den Autobahnen durch aufgeplatzte Straßenoberflächen. In manchen Gegenden besteht permanent erhöhte Waldbrandgefahr oder das Wasser wird knapp. Verantwortlich dafür ist der menschgemachte Klimawandel. Eine aktuelle Studie des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution beschreibt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Hitze und beleuchtet Ursachen und Auswirkungen der Hitzewellen in Europa. 

Menschen, die in dicht bebauten Wohngegenden ohne viel Grün leben, leiden stärker unter großer Hitze: eine soziale Ungerechtigkeit. Auch Pflegeheime, Krankenhäuser oder Schulen sind unzureichend mit Möglichkeiten zur Hitzeminderung ausgestattet. Dabei gibt es Ideen zur Lösung des Problems. Für den kühlenden Umbau von Städten braucht es blau-grüne Infrastruktur: mehr Bäume, mehr Wasserflächen, naturnahe Grünflächen, Entsiegelungen, Gründächer, Springbrunnen, Sonnensegel, Trinkwasserbrunnen. Mit dem entsprechenden politischen Willen und der nötigen Finanzierung ließen sich solche Maßnahmen realisieren. 

Portrait Marion Busch
Menschen, die in dicht bebauten Wohngegenden ohne viel Grün leben, leiden stärker unter großer Hitze. Zur Abkühlung braucht es mehr Bäume, mehr Wasserflächen, naturnahe Grünflächen, Entsiegelungen, Gründächer, Springbrunnen, Sonnensegel, Trinkwasserbrunnen.
Marion Busch, freie Journalistin

Hitzeschutz muss zur Pflicht werden – Kommunen brauchen Geld dafür

In Deutschland sind vor allem Länder und Kommunen für den Hitzeschutz zuständig. Aber nicht einmal die Hälfte der 16 Bundesländern hat bereits einen landesweiten Hitzeaktionsplan. Zuständig für die Durchführung von Maßnahmen zur Abkühlung sind die Kommunen. Die kennen die spezifischen Anforderungen vor Ort am besten. Aber bisher ist Hitzeschutz eine freiwillige Leistung, für die zahlreiche Städte und Gemeinden nicht das Geld aufbringen können. Deshalb stockt die Umsetzung von Hitzeaktionsplänen hierzulande. Unter anderem die Bundesärztekammer und der Deutsche Pflegerat fordern, einen klaren gesetzlichen Rahmen für gesundheitlichen Hitzeschutz auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zu schaffen, in dem Hitzeschutz als Pflichtaufgabe verankert wird. 

Derzeit prüft das Bundesumweltministerium, wie sich ein nationaler Hitzeaktionsplan für Deutschland gestalten ließe, der zum föderalen System passt. Außerdem arbeitet das Ministerium mit den Bundesländern daran, eine dauerhafte gemeinsame Finanzierung von kommunalen Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum Hitzeschutz zu finden. 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Handlungsempfehlungen für die kommunale Praxis veröffentlicht und führt jedes Jahr Hitzechecks in allen deutschen Städten mit über 50.000 Einwohnern durch. Hauptergebnis: Es braucht mehr Stadtgrün. 

Aufgrund der Klimakrise beschäftigt sich der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt*innen (bdla) in seinem Jahresthema mit „Gesundheit–Klimaanpassung–Landschaftsarchitektur“. Dringend nötig ist es, klimaangepasste Freiräume zu schaffen, Gesundheit zu fördern und Resonanzräume zwischen Mensch, Natur und Stadt zu eröffnen, fordert der bdla.

Auch die WHO hat einen Leitfaden für Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit veröffentlicht. 

Wirtschaftliche Schäden durch Hitze  

Extreme Hitze belastet zunehmend auch die deutsche Wirtschaft. Laut einer Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade könnten sich die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland zwischen 2026 und 2030 auf insgesamt rund 131 Milliarden US-Dollar summieren, wenn sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen. Was zu erwarten ist. Die Produktivität sinkt, die Energiekosten steigen – aufgrund eines höheren Kühlbedarfs. Die Folgen für den Staat: Es wird weniger Steuereinnahmen geben, gleichzeitig steigen Ausgaben beispielsweise für Gesundheit, Infrastruktur und soziale Sicherungssysteme. 

Die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel seien mittlerweile zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik, die weit über den Umweltbereich hinausgehen, schlussfolgert das Versicherungsunternehmen: „Länder, die bei der Infrastruktur sowie beim Schutz von Unternehmen und Arbeitnehmern schneller vorankommen, werden im Vorteil sein. Europa muss Schritt halten.“

Am wichtigsten ist es aber, Menschen zu schützen vor den Auswirkungen der fortschreitenden Erderhitzung. Ideen und Mittel dagegen gibt es genügend. Jetzt müssen Taten folgen.