Chemie & Nanotechnologie

Kein Chlorpyrifos mehr in der EU

12.12.2019

Die Vertreter*innen der Mitgliedstaaten haben sich für ein Verbot von zwei neurotoxischen Pestiziden ausgesprochen. Ab Februar 2020 sollen die Mittel nicht mehr in der EU verwendet werden.

Die Mitglieder des Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (SCOPAFF) stimmten vergangene Woche für einen Vorschlag der EU-Kommission, die Lizenzen für Chlorpyrifos und Chlorpyrifo-methyl nicht zu verlängern. Damit folgten sie der Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, die im August zu dem Schluss gekommen war, dass die beiden Stoffe „nicht die gesetzlichen Kriterien für eine erneute Zulassung in der Europäischen Union“ erfüllen (siehe EU-News vom 6.8.).

Gesundheits- und Umweltverbände begrüßten das Verbot der Stoffe, die Änderungen im genetischen Material menschlicher Zellen auslösen und neurologische Schäden bei Kindern hervorrufen können. Angelika Lyssimachou vom Europäischen Pestizid-Aktionsnetzwerk gratulierte „der Kommission und den Mitgliedstaaten, dass sie die menschliche Gesundheit, insbesondere die unserer Kinder, über die Interessen der Industrie und den privaten Profit gestellt haben.“ Der Weg bis dahin sei jedoch steinig gewesen: „Es brauchte eine überwältigende Menge an Beweisen - die zeigen, dass Chlorpyrifos-Insektizide bei Kindern Hirntoxizität verursachen können -, bis die Europäische Kommission ein Verbot vorschlug“, so Lyssimachou. Genon Jensen, Exekutivdirektor der Health and Environment Alliance (HEAL), sieht nun die neue EU-Kommission in der Pflicht, die Abhängigkeit der EU von Pestiziden zu verringern und verbleibende Lücken in den Bewertungsprozessen zu schließen.

Chlorpyrifos und Chlorpyrifo-methyl werden häufig in der Landwirtschaft, zum Beispiel beim Anbau von Zitrusfrüchten, verwendet. Während die Stoffe in einigen EU-Ländern wie Deutschland bereits seit mehreren Jahren verboten sind, werden die Mittel insbesondere in Südeuropa noch häufig verwendet. Auch auf importierten Früchten werden die Stoffe immer wieder nachgewiesen. [km]

Pressemitteilung HEAL