Chemie & Nanotechnologie

Arzneimittel: Vor allem günstig und verfügbar – aber auch rückstandslos und ungefährlich?

26.11.2020

Die neue EU-Arzneimittelstrategie soll die Versorgung Europas mit Medikamenten sicherstellen und die Auswirkungen der Produktion und Verwendung von Arzneimitteln auf die Umwelt reduzieren. Viel sei in dem Bereich schon erreicht worden, berichtete die EU-Kommission.

EU-Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas und EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides präsentierten am Mittwoch die neue Strategie und versprachen eine nachhaltigere EU-Arzneimittelindustrie sowie „Zugang zu innovativen und erschwinglichen Arzneimitteln“ für alle. Aus Umweltgesichtspunkten sind besonders Rückstände von Medikamenten im Abwasser mit Besorgnis zu betrachten. Arzneimittelrückstände gelangen hauptsächlich über Abwässer und Dünger in Böden und Gewässer und können dort lebende Tiere und ganze Ökosysteme gefährden. Sie fördern außerdem die Entwicklung antibiotikaresistenter Keime, die die Behandlung von Krankheiten erschweren.

Die neue Strategie, die im Einklang mit dem Green Deal stehen soll, sieht unter dem Aspekt Nachhaltigkeit vor allem Maßnahmen vor, mit denen der ökologische Fußabdruck der Branche reduziert und Medikamentenverpackungen verkleinert werden sollen.

Der Eintrag von Medikamentenrückständen in Wasser und Boden, der in der Strategie keine große Rolle spielt, sei in den letzten eineinhalb Jahren bereits erfolgreich reduziert worden, erklärte die Kommission am Donnerstag. Dabei beruft sie sich auf einen Fortschrittsbericht zur Strategie gegen die Verschmutzung der Umwelt durch Arzneimittel, die im März 2019 von ihr vorgelegt wurde (siehe EU-News vom 14.03.2019). Mit einer verstärkten Beobachtung von Oberflächengewässern, der Entwicklung neuer Regelungen für eine „umsichtigere“ Verwendung von Antibiotika bei Tieren und neuen Richtlinien für gefährlichen Hausmüll habe die Kommission bereits viele der damals angekündigten Maßnahmen umgesetzt. Wie sich die Maßnahmen wiederum auf das Vorkommen antibiotikaresistenter Keime in der Umwelt ausgewirkt haben, ist noch nicht bekannt. Die Auswertung einer Untersuchung pharmazeutischer Konzentrationen und antimikrobieller Gene im Boden kündigte die Kommission für 2022 an. [km]

Pressemitteilung der EU-Kommission zur Arzneimittelstrategie

EU-Arzneimittelstrategie

Fortschrittsbericht zu Arzneimitteln in der Umwelt