Naturschutz & Biodiversität

Wenn der Notfall zum Normalfall wird: EFSA prüft Neonikotinoid-Verwendung

10.12.2020

Obwohl die Verwendung von Neonikotinoiden in der EU verboten ist, haben zehn Mitgliedstaaten in diesem Jahr Ausnahmegenehmigungen für die Pestizide erteilt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schaut sich diese Zulassungen jetzt genauer an.

Im Auftrag der EU-Kommission soll die EFSA bewerten, ob die Genehmigungen für die Verwendung von Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam und Thiacloprid angemessen waren – das heißt: ob keine alternativen Mittel zur Verfügung standen. Österreich, Belgien, Kroatien, Dänemark, Spanien, Finnland, Litauen, Polen, Rumänien und die Slowakei hatten dieses Jahr in 21 Fällen erlaubt, Zuckerrüben im Freiland mit Neonikotinoiden zu behandeln. Die EFSA will die Ergebnisse ihrer Bewertung im zweiten Halbjahr 2021 veröffentlichen.

Die Verwendung von Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin im Freien ist in der EU seit 2018 verboten. Allerdings sind Verwendungen in Ausnahmefällen möglich. Die Mitgliedstaaten nehmen diese Möglichkeit eifrig wahr (siehe auch EU-News vom 28.02.2019). Neonikotinoide sind schädlich für Bienen und andere Insekten.

Die EFSA will außerdem „die Gelegenheit nutzen“ und das Verfahren zur Pestizidbewertung der EU im Zusammenhang mit der neuen Biodiversitätsstrategie und der Farm-to-Fork-Strategie prüfen – „insbesondere im Hinblick auf die Ziele zur Reduzierung des Pestizideinsatzes und zur Förderung von Alternativen zu Pestiziden.“

Erst vergangene Woche hatte die Europäische Ombudsfrau die EU-Kommission wegen ihrer Zulassungspraxis bei Pestiziden gerügt. Demnach seien in der Vergangenheit zu häufig Verwendungen voreilig und ohne ausreichende Datengrundlage genehmigt worden (siehe EU-News vom 3.12.). [km]

Ankündigung der EFSA

Anfrage der Kommission

Globale Pestizidbelastung

Auf der ganzen Welt kommt es jährlich zu 385 Millionen Pestizidvergiftungen. Das sind mehr als 15 Mal so viele wie noch 1990. Zu dem Ergebnis kommt eine neue, in der Fachzeitschrift BMC Public Health veröffentlichte Studie. Besonders betroffen sind in der Landwirtschaft beschäftigte Menschen, am häufigsten in Südasien, Südostasien und Ostafrika.