Wasser & Meere

Wasserverschmutzung und Wasserrahmenrichtlinie

18.11.2021

c. pixabay/PublicDomainPictures

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat Empfehlungen zur möglichen Überarbeitung der EU-Liste von Schadstoffen, die Oberflächen- und Grundwasser beeinträchtigen, abgegeben. Flüsse im Elbeeinzugsgebiet werden die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) voraussichtlich nicht erreichen. Einer Studie zufolge steigt der Ausstoß von Treibhausgasen, wenn Flüsse trockenfallen.

IGB zu prioritären Stoffen: klare EU-Vorgaben, Verursacherprinzip, Flexibilität

Das IGB hat sich an der Konsultation zur Folgenabschätzung einer möglichen Überarbeitung der Listen von Schadstoffen, die sich auf Oberflächen- und Grundwasser auswirken sowie der entsprechenden Regulierungsstandards in den Umweltqualitätsnormen (UQN), der Grundwasserrichtlinie (GWRL) und der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) beteiligt.

Bereits an der Quelle müssten Schadstoffemissionen beseitigt werden. Persistente, mobile und toxische Stoffe dürften schon deshalb nicht in Oberflächengewässer und Grundwasserkörper gelangen, weil diese bei der Trinkwassergewinnung mitunter nicht entfernt werden können. Außerdem müssten industrielle Verursacher selbst die Verantwortung für ihre jeweiligen Emissionen übernehmen. „Es gibt keine ökologische und/oder gesellschaftliche Rechtfertigung dafür, die potenzielle Zerstörung aquatischer Ökosysteme in Kauf zu nehmen und die Anstrengungen und Kosten der Schadstoffbeseitigung nur flussabwärts zu verlagern”, konstatierte das IGB, weshalb das Verursacherprinzip in allen relevanten Bereichen konsequent umgesetzt werden müsse. Um Umweltstandards und Grenzwerte zwischen den Mitgliedstaaten zu harmonisieren, müsse es auf EU-Ebene eine eindeutige Gesetzgebung geben. Wegen der raschen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse müsse außerdem eine flexible und zeitnahe Anpassung der Liste prioritärer Stoffe und der Beobachtungslisten möglich sein.

Flüsse, Seen, Teiche, Feuchtgebiete und Grundwasser gehörten zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen in Europa. Der schlechte chemische und ökologische Zustand vieler Wasserkörper sei auf verschiedene Belastungen zurückzuführen, darunter Übernutzung und Verschmutzung durch vielfältige menschliche Aktivitäten. Die Ausarbeitung von Rechtsvorschriften zum Schutz der Binnengewässer, die Ökosystemleistungen wie sauberes Trinkwasser, natürlichen Hochwasserschutz, Fischereiressourcen, Erholungsräume und Schadstoffrückhalt gewährleisten, werde für die Lebensgrundlage der Menschen in Europa in den kommenden Jahrzehnten von entscheidender Bedeutung sein, so das IGB.

Elbe, Saale und Mulde werden EU-Vorgaben nicht erreichen

Viele Gewässer im Elbeeinzugsgebiet sind immer noch in einem schlechten Zustand: 90 Prozent werden die EU-Vorgaben wohl nicht erreichen. Das zeigen Studienergebnisse, die dem MDR vorliegen. In einem Hintergrundbeitrag auf MDR-Wissen beschreiben die Gewässerexpert*innen Gregor Ollesch von der Geschäftsstelle der Flussgebietsgemeinschaft Elbe in Magdeburg und Iris Brunar vom BUND im Interview die Problemlage. Demnach hat sich der Zustand der ostdeutschen Gewässer nach der Wende zwar deutlich verbessert, aber dies reiche noch nicht aus. Zweitens gebe es seit den vermehrt auftretenden Dürren seit 2015 sogar Verschlechterungstendenzen. Dies liege nicht nur an den Altlasten, sondern vor allem an neuen Einträgen durch Industrie und Landwirtschaft.

Studie: Trockenfallende Flüsse emittieren vermehrt Treibhausgase

Studienergebnisse der spanischen Universität Murcia haben ergeben, dass trockenfallende Flüsse vermehrt Treibhausgase wie Methan emittieren, berichtet das IGB. An einem Tieflandfluss der gemäßigten Breiten wurde untersucht, was in Gewässern passiert, wenn das Wasser geht und wiederkommt. Es zeigt sich, dass nach Austrocknung und Regen Flüsse vermehrt Kohlendioxid und Methan freisetzen können.

Mehr als die Hälfte der globalen Fließgewässer seien intermittierend, das heißt, dass Gewässerabschnitte immer wieder austrocknen. Als Folge des Klimawandels und des steigenden menschlichen Wasserbedarfs dürften Häufigkeit, Dauer und Ausmaß des Trockenfallens drastisch zunehmen. In ariden und semiariden Regionen – also in Gegenden der Erde, wo es höchstens drei bis fünf feuchte Monate pro Jahr gibt – seien intermittierende Fließgewässer jetzt schon die vorherrschende Art von Oberflächengewässern, beschreibt das IGB die Studienergebnisse. [jg]

IGB: Wasserverschmutzung in Europa: Forschende empfehlen besseres Monitoring und Management

MDR: Umwelt im Osten: Elbe, Saale, Mulde: Der Zustand verschlechtert sich – nicht nur durch Altlasten

IGB: Treibhausgase aus trockenfallenden Flüssen