Menü
Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen
EU-News | 03.12.2021
#Biodiversität und Naturschutz #Bodenschutz #Klima und Energie #Landwirtschaft und Gentechnik #EU-Umweltpolitik

Geld für Naturschutz und Bodengesundheit

Fruchtbarer Boden
© AdobeStock/Ganka
Fruchtbarer Boden

Die EU-Kommission stellt für 132 neue Projekte ein Investitionspaket von 290 Millionen Euro im LIFE-Programm zur Verfügung. Im Rahmen des Forschungsprogramms "Horizon" sind 320 Millionen Euro für die Bodengesundheit vorgesehen. Darunter fällt auch Kohlenstoffbewirtschaftung. Gegen die Vergabe von CO2-Emissionszertifikaten ("Humus-Zertifikate") als Instrument zum Erhalt und Aufbau von Humus haben sich zahlreiche Verbände ausgesprochen.

LIFE-Programm soll Ziele des Europäischen Green Deal umsetzen helfen

Die EU-Kommission hat letzte Woche ein Investitionspaket von mehr als 290 Millionen Euro für 132 neue Projekte im Rahmen des LIFE-Programms für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen genehmigt. Die Brüsseler Behörde hat berechnet, dass mit diesen EU-Mitteln Investitionen in Höhe von insgesamt 562 Millionen Euro mobilisiert werden, die Projekte in fast allen Mitgliedstaaten betreffen.

Rund 223 Millionen Euro des Pakets sollen für Projekte in den Bereichen Umwelt und Ressourceneffizienz (45 Projekte), Natur und biologische Vielfalt (39) sowie Umweltmanagement und -information (8) fließen. Mehr als 70 Millionen Euro werden in verschiedene Projekte zur Eindämmung des Klimawandels (17), zur Anpassung an den Klimawandel (17) sowie zur Verwaltung und Information (6) investiert.

Ein großes länderübergreifendes Projekt werde degradierte Moorgebiete in Belgien, Deutschland, Irland, den Niederlanden und Polen wiederherstellen. Zu den geplanten Maßnahmen gehöre die Wiederherstellung der Kohlenstoffsenkenfunktion von Mooren als Beitrag zum Ziel der EU, bis 2050 klimaneutral zu sein. Das Projekt werde auch den Grundwasserspiegel anheben und zur Erhaltung von Arten und Lebensräumen beitragen, die durch die Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU geschützt sind. Virginijus Sinkevičius, Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei, sagte: „LIFE-Projekte (...) haben eine starke Wirkung vor Ort und machen den Mehrwert der europäischen Zusammenarbeit deutlich.”

Auf "Mission": Horizon-Programm erforscht Gesundheit der Böden und Kohlenstoffbewirtschaftung

Im Rahmen des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation "Horizon Europe" wurden Ende September neue "Missionen" angekündigt, der Informationsdienst Euractiv hat nun das Thema Bodengesundheit herausgegriffen, für das im Programm 320 Millionen Euro bereitgestellt werden sollen. Neben Mitteln für die Förderung der kohlenstoffarmen Landwirtschaft soll Horizon Europe den Übergang zu gesunden Böden bis 2030 vorantreiben, was im Einklang mit den Verpflichtungen des Green Deal in den Bereichen Klima, biologische Vielfalt, Umweltverschmutzung und nachhaltige Lebensmittelsysteme stehe. Nach Angaben der Europäischen Kommission ziele das Programm darauf ab, Living Labs und Leuchttürme zu unterstützen, die Menschen einzubeziehen und wirksame Partnerschaften zu schaffen, um die Böden sektor- und gebietsübergreifend zu schützen und wiederherzustellen. Ein Schlüsselbereich sei laut Euractiv die Kohlenstoffbewirtschaftung, wie aus einem durchgesickerten Entwurf der Kohlenstoffstrategie hervorgehe, der wiederum zuerst von der französischen Nachrichtenseite Contexte aufgegriffen wurde.
Die erwähnten lebenden Laboratorien und Leuchttürme, die im Rahmen des Programms unterstützt werden sollen, sollen demnach „dazu dienen, Lösungen für die Kohlenstoffbewirtschaftung zu testen, zu demonstrieren und zu vervielfachen”, heiße es in dem Dokument.

Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden hat der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring am 2. Dezember eine gemeinsame Position zum Thema "Kohlenstoff in Böden" herausgegeben. CO2-Emissionszertifikate seien kein geeignetes Instrument zum Erhalt und Aufbau von Humus, weshalb sich über 30 Organisationen und Personen gegen die Generierung von CO2-Emissionszertifikaten als Instrument zum Erhalt und Aufbau von Humus ausgesprochen haben. Es bestehe damit das Risiko, dass Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen durch angeblichen Humusaufbau kompensieren und eigene CO2-Einsparungen vernachlässigen. Der Markt für sogenannte „Humus-Zertifikate“ boome und „Carbon Farming“ werde von Zertifikate-Anbietern als wirkungsvolles Instrument zum Erreichen der „Klimaneutralität“ dargestellt. Der Handel mit solchen Zertifikaten untergrabe ab er die europäischen Klimaschutz-Bemühungen, so die Verbände. Unternehmen würden ermutigt, nicht exakt messbare und leicht wieder umkehrbare Speicherung von Kohlenstoff im Boden als Ersatz für eine konsequente Minderungsstrategie in ihren eigenen Wertschöpfungsketten zu nutzen. das Positionspapier ist eine Reaktion auf die Veröffentlichung der sogenannte Carbon-Farming-Initiative der EU-Kommission. [jg]

LIFE: LIFE-Programme: More than €290 million in EU funding for nature, environment and climate action projects

Euractiv: EU earmarks €320 million for soil health research to contribute to carbon removal

DNR: Gemeinsame Position zur Festlegung von Kohlenstoff in Böden

Das könnte Sie interessieren