Naturschutz & Biodiversität

Artensterben: Globaler Notstand im Wald

13.08.2019

Es geht um Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien, die in Wäldern leben und vollständig von ihnen abhängig sind: Seit 1970 sind deren Bestände um durchschnittlich 53 Prozent zurückgegangen. Das hat eine Studie vom WWF, vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) ergeben. Insgesamt wurden die Daten von 268 Wirbeltierarten und 455 Populationen untersucht.

Angesichts der dramatischen Entwicklung forderte der WWF die Staatengemeinschaft auf, den "planetaren Waldnotstand" zu erklären und einen "New Deal für Mensch und Natur" zu schließen. Ziel müsse sein, die Klimakatastrophe zu stoppen, die verbleibenden Naturräume der Erde zu erhalten und den Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu finden. Der Schutz und die Wiederherstellung der Wälder müssten dabei im Mittelpunkt der Anstrengungen stehen. 2020 sei dabei das Jahr für weitreichende Entscheidungen: UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung wie der Stopp des Biodiversitätsverlustes und die post-2020-Ziele im Rahmen der Konvention über biologische Vielfalt (CBD) werden verhandelt.

Die Europäische Union als großer Player hat dabei die Möglichkeit, die Richtung mitzubestimmen. Die EU-Kommission hatte im Juli ihre Strategie zum Waldschutz veröffentlicht (EU-News 24.07.2019). Der aktuelle IPCC-Bericht des Weltklimarates über Klimawandel und Landnutzung verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der Politiker*innen auch in den EU-Mitgliedstaaten handeln und schnelle und umfangreiche Maßnahmen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft umsetzen müssen, die Umweltverbände bereits seit Jahren fordern (EU-News 08.08.2019).

Vergangenen Freitag hatten Waldexpert*innen angesichts der Klimakrise und der Trockenheit in einem offenen Brief an die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner davor gewarnt, weiterhin konventionelle Forstwirtschaftspraktiken zu fördern und in nicht nachhaltigen Aktionismus zu verfallen (offener Brief). Gefordert werden die "konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als Holzfabrik behandelt". Die Unterzeichner*innen beziehen sich dabei auch auf einen von fünf Landesforstministerien am 1. August verabschiedeten "Masterplan", in dem unter anderem ein "klimaangepasster Waldumbau" gefordert wird, der auch die Verwendung nicht heimischer Baumarten  forciert. [jg]

Studie zum Artenverlust im Wald ("Below the Canopy")

Pressemitteilung WWF

Artikel zum offenen Brief an Klöckner