Umweltorganisationen fordern Flexibilitätsagenda für ein sicheres, bezahlbares, kosteneffizientes und klimaneutrales Stromsystem

Berlin – Aktuell zeigt sich erneut deutlich, wie riskant unsere Abhängigkeit von fossilen Energien ist. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Gas- und Ölpreise stark gestiegen. Die Lösung liegt auf der Hand: der ambitionierte Ausbau der erneuerbaren Energien sowie dazugehörige Flexibilitätsmaßnahmen. Dies muss in den anstehenden energiepolitischen Gesetzen, allen voran der EEG-Novelle, der Kraftwerksstrategie sowie dem Netzpaket von der Bundesregierung adressiert werden. In einem gemeinsamen Positionspapier zur Stärkung von Flexibilitäten im Stromsystem hat heute der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring mit seinen Mitgliedern BUND, DUH, Germanwatch, NABU, Umweltinstitut München und WWF Vorschläge vorgelegt, wie dies gelingen kann. Die Organisationen fordern von der Bundesregierung, in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur (BNetzA) zeitnah eine umfassende Flexibilitätsagenda vorzulegen.
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage warnen die Organisationen: „Mitten in der fossilen Krise weiter auf Öl und Gas zu setzen, ist kurzsichtig und klimapolitisch brandgefährlich. Die Antwort kann nur ein konsequenter Umstieg auf erneuerbare Energien und die zügige Elektrifizierung aller Sektoren sein. Dafür braucht es ein flexibles Stromsystem, das in der Lage ist, Erneuerbare effizient zu integrieren. Statt jedoch konsequent auf kluge Erzeugung, flexiblen Verbrauch und Speichertechnologien zu setzen, drohen zentrale energiepolitische Vorhaben in die falsche Richtung zu laufen und fossile Abhängigkeiten zu zementieren.“
Gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Reformen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine Flexibilitätsagenda vorzulegen. Während einige der angekündigten Maßnahmen in den Entwürfen zum Netzpaket und zum EEG den Ausbau erneuerbarer Energien massiv auszubremsen drohen und die Kraftwerksstrategie weiterhin stark auf fossile Kapazitäten zur Sicherung der Versorgung setzt, fehlt bislang ein übergreifendes Konzept, das Flexibilitäten systematisch stärkt. Dabei liegen die Mehrwerte auf der Hand: Ein flexibles Stromsystem ermöglicht es, erneuerbare Energien effizient zu integrieren, reduziert den Bedarf an kostspieligem Netzausbau und vermeidet unnötige Investitionen in fossile Reservekapazitäten. Dadurch werden die Systemkosten minimiert und Strom für Verbraucher*innen und Wirtschaft langfristig günstiger. „Flexibilität ist der Schlüssel, um Klimaschutz, Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz im Gesamtsystem zusammenzubringen“, so die Organisationen.
In dem gemeinsamen Papier werden konkrete Maßnahmen aufgezeigt, wie Flexibilitäten kurzfristig aktiviert und langfristig systematisch verankert werden können. Dazu gehören u.a. der beschleunigte Rollout intelligenter Messsysteme, die flächendeckende Anwendung dynamischer Stromtarife und Netzentgelte, bessere Rahmenbedingungen für Speicher sowie ein technologieneutraler Kapazitätsmechanismus, der Flexibilitätsoptionen gegenüber fossilen Kraftwerken priorisiert.
Das Papier ist hier abrufbar.
Kontakt für Rückfragen

Birthe März
Referentin für Klima- und Energiepolitik, insbesondere erneuerbare Energien und Gebäude



