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PFAS-Konsultation: Hohe Folgekosten des Nichtstuns
EU-News | 28.05.2026
#Chemikalien #Wirtschaft

PFAS-Konsultation: Hohe Folgekosten des Nichtstuns

Wasserprobenentnahme fürs Labor: Sind Schadstoffe enthalten?
© Adobe Stock - reewungjunerr
Wasserprobenentnahme fürs Labor: Sind Schadstoffe enthalten?

Bei der Beschränkung von „Ewigkeitschemikalien“ rückt die sozioökonomische Dimension in den Fokus. Am 25. Mai endete eine Konsultation der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA, an der sich auch Umwelt- und Gesundheitsorganisationen beteiligten. Nichtstun ist schon aus Kostengründen keine Option.

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) stehen wegen ihrer extremen Beständigkeit und möglichen Gesundheitsrisiken seit Jahren in der Kritik. Die „Ewigkeitschemikalien“ sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, bauen sich jedoch kaum ab und können Umwelt und Trinkwasser langfristig belasten. Studien deuten auf erhöhte Risiken etwa für Nieren- und Hodenkrebs, Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schilddrüsenstörungen, verminderte Fruchtbarkeit sowie Komplikationen für Mütter und Neugeborene hin. Deshalb gab es 2023 einen Antrag auf das Verbot dieser synthetischen Industriechemikalien-Gruppen, der nun von den zuständigen Ausschüssen der ECHA bearbeitet wird.

SEAC: Breite Beschränkung mit gezielten Ausnahmen

Der Ausschuss für sozioökonomische Analyse (SEAC) legte im März einen Entwurf seiner Stellungnahme vor und stellte diesen für 60 Tage zur Konsultation. Anders als der Ausschuss für Risikobewertung (RAC), der Gefahren bewertet, untersucht der SEAC wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen sowie die Verfügbarkeit von Alternativen.

María Ottati, Vorsitzende des SEAC, sagte: „Der Entwurf der Stellungnahme des SEAC befürwortet eine weitreichende Beschränkung von PFAS, erkennt jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit gezielter Ausnahmeregelungen an, um die Maßnahme verhältnismäßig und praktikabel zu halten. Dieser ausgewogene Ansatz wird die PFAS-Emissionen reduzieren und gleichzeitig bestimmte Verwendungen weiterhin zulassen, bei denen ein sofortiges Verbot unter dem Strich mehr negative als positive Auswirkungen hätte.“

HEAL: 23.000 kontaminierte Standorte und potenziell 440 Milliarden Euro Kosten

Die Umwelt- und Gesundheitsorganisation HEAL unterstützte in ihrem Kommentar die vorläufigen Schlussfolgerungen des SEAC, dass wegen der gravierenden grenzüberschreitenden Verschmutzung durch hochpersistente PFAS-Chemikalien ein EU-weites Vorgehen notwendig ist. HEAL fordert, die Verwendung und Emissionen von PFAS so weit wie möglich zu minimieren. Ausnahmen von der PFAS-Beschränkung dürften allerhöchstens befristet genehmigt werden, sofern dies gründlich begründet ist, indem zum Beispiel eindeutig nachgewiesen wird, dass es derzeit keine Alternativen für die ausgenommenen Verwendungszwecke gibt.

Die PFAS-Belastung sei in ganz Europa weit verbreitet: Es sind etwa 23.000 bekannte und mutmaßlich kontaminierte Standorte dokumentiert, und rund 12,5 Millionen Europäer*innen leben in Gemeinden, deren Trinkwasser mit PFAS belastet ist. PFAS seien damit ein erhebliches wirtschaftliches Problem, wie ein Bericht der EU-Kommission aus dem Jahr 2026 zeigt. Demnach liegen die gesamtgesellschaftlichen Kosten, einschließlich Gesundheits- und Sanierungsausgaben, bis zum Jahr 2050 bei fast 440 Milliarden Euro, falls keine Maßnahmen zur Einschränkung der PFAS-Verwendung ergriffen werden. Diese Zahl berücksichtigt nur die Gesundheitskosten von bereits regulierten PFAS (PFOA, PFOS, PFHxS und PFNA), was bedeutet, dass die tatsächlichen Gesundheitskosten der gesamten PFAS-Belastung wahrscheinlich noch höher sind. Laut Bericht dürfte ein vollständiger Ausstieg aus PFAS zu einem Rückgang der Gesundheitskosten von etwa 39,5 Milliarden Euro pro Jahr im Jahr 2024 auf rund 0,5 Milliarden Euro pro Jahr bis 2040 führen.

Nächste Schritte und Hintergrund zur PFAS-Beschränkung

Nach Prüfung der eingereichten Kommentare will der SEAC das finale Ergebnis der wissenschaftlichen Bewertung Ende 2026 veröffentlichen. Die EU-Kommission erarbeitet aus beiden Stellungnahmen wiederum einen Vorschlag zur PFAS-Beschränkung für den REACH-Ausschuss, der sich aus Vertreter*innen der EU-Mitgliedstaaten zusammensetzt.

Der ursprüngliche Antrag, die aus rund 10.000 verschiedenen Stoffen bestehenden PFAS-Gruppen zu verbieten, wurde von fünf Behörden aus Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden eingebracht (EU-News 09.02.2023). Der weitreichende Vorschlag für Beschränkungen hatte in einer ersten Konsultation zu tausenden Antworten geführt. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA und die fünf Mitgliedsstaaten hatten im November 2024 eine Erklärung zu möglichen Ausnahmen abgegeben. Man suche nach Alternativen, Übergangsfristen und Ausnahmen von der Regulierung (EU-News 29.11.2024). Weil interessierte Gruppen mit unlauteren Methoden die Politikebene beeinflussten, forderte Corporate Europe Observancy eine „Lobby-Firewall” (EU-News 16.01.2025). Jüngster Vorstoß der Chemie-Lobby ist parallel übrigens der Protest gegen die Einbeziehung ihrer Industrie in den Europäischen Emissionshandel (dpa-Europaticker).

REACH wird nun doch nicht überarbeitet

Ende April hatte die EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall im EU-Parlament angekündigt, dass die eigentlich geplante Überarbeitung der EU-Chemikalienverordnung REACH, die seit 2007 in Kraft ist, nun doch nicht stattfinden soll. Stattdessen sollen statt des Gesetzes selbst nur die Anhänge verändert und vereinfacht sowie eine bessere Umsetzung bestehender Regelungen vorangetrieben werden. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments kritisierte das Vorgehen im Mai in einer Diskussion mit dem Industriekommissar Stéphane Séjourné.

Dies geschieht vor dem Hintergrund der Vereinfachungsagenda der EU-Kommission für mehr Wettbewerbsfähigkeit, die unter anderem auch schon zur Veröffentlichung des sogenannten Chemikalien-Omnibus (EU-News 09.07.2025) geführt hatte. Umweltverbände hatten den Vereinfachungsvorschlag kritisiert, da er eher die Industrie als Umwelt und Gesundheit schütze. [jg]

 

ECHA to launch consultation on draft SEAC PFAS opinion 

ECHA supports PFAS restriction with targeted derogations 

HEAL comments on the SEAC draft opinion

Ausschuss für Risikobewertung (RAC) im März:

Laut RAC stellen PFAS zunehmende Risiken für Mensch und Umwelt dar, da sie äußerst persistent sind. Sie verbleiben über lange Zeiträume in der Umwelt, legen große Entfernungen zurück und kontaminieren Grundwasser und Boden, während einige von ihnen schwerwiegende Gesundheitsprobleme wie Krebs und Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit verursachen. Der Ausschuss ist der Ansicht, dass die derzeit geltenden Regulierungsmaßnahmen nicht ausreichen, um ihre Emissionen zu kontrollieren, und dass daher weitere EU-weite Regulierungsmaßnahmen erforderlich sind, um diese Risiken einzudämmen.

Der RAC empfiehlt Risikomanagementmaßnahmen zur Minimierung der Emissionen, falls Ausnahmeregelungen für bestimmte Verwendungszwecke von den Entscheidungsträgern bestätigt werden. Zu diesen Maßnahmen gehören standortspezifische PFAS-Managementpläne für Hersteller und industrielle Anwender, einschließlich der Überwachung von Emissionen, der Kommunikation innerhalb der Lieferkette über die Verwendung von PFAS, einer klaren Kennzeichnung für Verbraucher sowie Anweisungen für die sichere Verwendung und Entsorgung. Der RAC fordert außerdem die Meldung von PFAS-Emissionen aus Produktions- und Industriestandorten an die ECHA.

Quelle