Mitreden für eine starke Natur

Sauberes Wasser, reine Luft, gesunde Böden: Intakte Lebensräume sind nicht nur Garant für die Artenvielfalt, sie tragen auch wesentlich zum Klimaschutz bei. Um der fortschreitenden Naturzerstörung entgegenzuwirken, hat die EU die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur erlassen. Vor Kurzem veröffentlichte Deutschland den Entwurf für seinen Nationalen Wiederherstellungsplan. Bis 25. Juni können Bürger*innen dazu Stellung nehmen.
Trotz alarmierender Trends wird der Verlust biologischer Vielfalt häufig als Randthema abgehakt. Dabei zeigen Umfragen: Die Menschen in Deutschland schätzen Natur – und erwarten politisches Handeln. Die Grundlage dafür soll nun der Nationale Wiederherstellungsplan (NWP) liefern. Er regelt, wie die Vorgaben der EU-Wiederherstellungsverordnung (EU-News 30.07.2024) bundesweit umzusetzen sind.
Das Ziel ist, die Artenvielfalt zu erhalten und geschädigte Ökosysteme wieder instand zu setzen. Bis 2030 sollen mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresfläche, die in keinem guten ökologischen Zustand ist, wieder in Ordnung gebracht werden. Widerstandsfähige Wälder, nasse Moore, Flüsse, die Platz zum Fließen haben, und Meere, die nicht überhitzen und von Plastik geflutet werden, sind unser aller Lebensgrundlage. Daher gilt es, sie zu schützen, zu bewahren und wiederherzustellen.
Den Entwurf der Bundesregierung dafür können alle Bürger*innen online einsehen und bis 25. Juni ihre Meinung dazu kundtun. Hinweise, Ideen, konkrete Vorschläge oder Bedenken auf der Plattform werden durch die öffentliche Beteiligung in den Wiederherstellungsplan einfließen.

Der DNR lobte den Entwurf des NWP als wichtige Grundlage. Aber aus seiner Sicht sind zentrale Punkte noch unvollständig und zu wenig konkret. Insbesondere fehle eine vollständige Bilanz bestehender Maßnahmen der Länder und auch bei neuen Maßnahmen gebe es Nachbesserungsbedarf. Der Umweltdachverband fordert Bund, Länder und Zivilgesellschaft auf, den NWP über die Beteiligungsplattform weiterzuentwickeln und zu stärken. Denn: „Wer nur am Status quo festhält, wird den Verlust der Artenvielfalt nicht aufhalten. Es braucht zusätzliche entschlossene Maßnahmen und eine breite Beteiligung, damit die Wiederherstellung der Natur gelingt“, sagte DNR-Geschäftsführer Florian Schöne.
Auf Altbewährtes setzen und Ökolandbau fördern
Bioland begrüßte den ersten Entwurf für einen Nationalen Wiederherstellungsplan. Die weitere Ausgestaltung müsse allerdings konkreter und praxisnäher werden, fordert der ökologische Erzeugerverband. „Entscheidend ist, auf Bewährtes aufzubauen: Erfolgreiche Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen aus den Ländern gehören verbindlich in den NWP. Gleichzeitig muss der Plan die Weichen klar in Richtung mehr Ökolandbau stellen – denn Bio verbindet Ernährungssicherung, Naturschutz und Renaturierung besonders wirksam“, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge.
Renaturierung von Gewässern
2.000 Kilometer frei fließende Flüsse fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anlässlich des Starts der Onlinebeteiligung zum NWP. Zum Vergleich: EU-weit sollen bis 2023 Flüsse auf einer Länge von 25.000 Kilometern renaturiert werden. Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sagte: „Mit der öffentlichen Beteiligung wird die Wiederherstellung der Natur zum Zukunftsprojekt. Je mehr Menschen ihre Ideen einbringen, desto besser können wir unsere Ökosysteme schützen und erneuern! Klar ist aber auch: Die Bundesregierung muss jetzt liefern.“
Natur retten statt verwalten – für die Zukunft
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bezeichnet den Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans als überfälliges Signal für mehr Natur- und Klimaschutz. „Aber Papier allein renaturiert noch keine Moore und bringt keine Arten zurück. Entscheidend ist, ob daraus ein verbindliches und wirksames Arbeitsprogramm wird“, erklärte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Auch aus Sicht der jungen Generation braucht es deutlich mehr Tempo und Ernsthaftigkeit: „Für uns geht es nicht um abstrakte Umweltziele, sondern um unsere Zukunft“, betonte Isabel Fischer, Bundesjugendsprecherin der Naturschutzjugend im NABU (NAJU).
Ökologische Resilienz braucht genügend Geld
Aus Sicht des WWF ist der Start des Beteiligungsverfahrens ein erster wichtiger Schritt, Naturzerstörung zu stoppen. „Um die Ziele der Wiederherstellungsverordnung zu erreichen, müssen in erheblichem Umfang zusätzliche Projekte geplant werden. Die für den Naturschutz zuständigen Bundesländer haben hier jahrzehntelange Erfahrung, zum Beispiel mit der Renaturierung von Auen, der Wiedervernässung von Mooren oder dem natürlichen Waldumbau. Erforderlich ist zudem eine ausreichende Finanzierung“, sagte Tobias Arbinger, Referent für Naturschutzpolitik beim WWF.
Mit gutem Beispiel voran
Bis September dieses Jahres müssen die Nationalen Wiederherstellungspläne bei der EU-Kommission eingereicht werden. Ein Jahr später, im September 2027, sollen sie in Kraft treten. Die Wiederherstellung der Natur kann indes nur gelingen, wenn ihre weitere Zerstörung gestoppt wird. Dafür gilt es, umweltschädliche Subventionen und politische Fehlanreize abzuschaffen sowie die Finanzierung von Maßnahmen für einen guten ökologischen Zustand insgesamt deutlich aufzustocken. Deutschland hat die Chance, mit gutem Beispiel voranzugehen. Nutzen Sie die Chance, den Plan zu beeinflussen. [mbu]


